Die Weichen waren gestellt
Rheinsberger Bahnhofsfest erfreute zahlreiche Besucher mit abwechslungsreichem Programm

Rheinsberg. Wie auf einem großen Bahnhof herrschte am Sonnabend ein Kommen und Gehen. Nur hatte auf dem Rheinsberger Bahnhof keiner großes Gepäck oder einen Koffer dabei. Kein Wunder, denn die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof sowie der Heimatverein Rheinsberger Seenkette hatten für das Wochenende zum Bahnhofsfest eingeladen. Das bunte Treiben spielte sich hinter dem Hauptgebäude am Ende des Bahnsteigs ab. Besucher spazierten das letzte Stück entlang den Schienen zum Festplatz. Die Haltesignale standen auf Stopp und die Weichen waren gestellt für ein Fest, für das sogar die Musikband „Höganäs Musikkar" aus Schweden anreiste und für einen stimmungsvollen Auftakt sorgte. Die 40 Mann starke Truppe kam nicht mit der Bahn sondern mit dem Bus. Dass sie sich wegen eines Staus verspätete, nahmen die ersten Besucher gelassen. An diesem Tag schaute keiner auf die Uhr. Egal wie spät es war, die Zeiger der Bahnhofsuhr am Eingang des Hauptgebäudes standen immer auf 10.15 Uhr. Für die Besucher gab es viel Abwechslung, und es schlugen nicht nur für Eisenbahnfreunde die Herzen höher. Anne Krüger aus Rheinsberg beispielsweise ackerte am Hebel einer Draisine und beförderte ihren Mann und kleinen Sohn einen Kilometer die Schienen entlang. „Familie Krüger hat das Autofahren aufgegeben", rief sie laut lachend. Die körperliche Tätigkeit und die frische Luft machten ihr gute Laune. Der fünfjährige Max staunte und durfte am Ende der Fahrt bremsen. Diese Familie hatte bereits eine Tour mit dem Schienenbus, im Volksmund „Ferkeltaxi", hinter sich. Stündlich ließ Fahrdienstleiter Andreas Reuter diesen Traditionszug mit Besuchern zum stillgelegten Kernkraftwerk Rheinsberg (KKW) abfahren. „Ich war ängstlich", beschrieb Anne Krüger ihr Gefühl über die dort herrschende Stille. Auch der Anblick von Stacheldraht sei für sie beklemmend gewesen. Vor dem ehemaligen Lokschuppen des Bahnhofs Rheinsberg machten es sich direkt an den Schienen Gäste gemütlich, um sich von der Gruppe „Country Büffet" aus Mecklenburg-Vorpommern unterhalten zu lassen, andere besichtigten die gesammelten Exponate - Fahrzeuge, bahntechnische Geräte, Stellwerke, Kohlenkran mit Lore sowie die Geschichte der Löwenberg-Rheinsberg-Flecken-zechliner Eisenbahn. Stolz präsentierte Siegfried Adomeit vom Verein Rheinsberg Bahnhof einen original erhaltenen Fahrkartenschrank, der 1928 im Rheinsberger Bahnhof stand und unzählige abgestempelte Karten enthält.
Anziehungspunkt für die Besucher war auch das Modell eines U-Bahnwagens aus Berlin, Baujahr 1927. „Ein schöner Kontrast", sagte Gottfried Koch, stellvertretender Vorsitzende und zeigte stolz auf die 100 Jahre alten Dachstützen, die einst am Bahnhof Ostkreuz in Berlin standen. Die schenkte Jürgen Graf, der inzwischen verstorbene Ehrenbürger der Stadt Rheinsberg, dem Verein.
iby
(RA, 2013-09-02)

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