Auf der Suche nach dem Schaltplan
Eisenbahner restaurieren Kohlekran

RHEINSBERG. "Der war früher technologischer Fortschritt." Volkmar Hilbert gerät immer ins Schwärmen, wenn er von dem alten Kohlekran spricht, den der Eisenbahnverein am Lokomotivschuppen auf dem Bahnhof aufstellen will. "Damit kehrt ein Stück Geschichte nach Rheinsberg zurück", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof. Der Kran allerdings ist kein Rheinsberger Original, sondern stammt aus Neuruppin. "Dort hatte er keine Verwendung mehr. Da haben wir zugeschlagen und den Kran nach Rheinsberg geholt", sagt Hilbert. Das ist aber mittlerweile auch schon einige Jahre her. Seither liegt der Kohlegreifer unbeachtet im Gras. Erst vor kurzem ist er wieder ins Gespräch gekommen. Der Entschluss der Eisenbahnhistoriker stand fest: Der Kran muss wieder stehen – schon um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Schließlich beklagt Hilbert, dass viele Bahnhöfe veröden und nur noch aus einem Gleis und einer Haltestelle bestehen. Von alter Technik sei da nicht mehr viel zu sehen.
Das historische Gesicht des Rheinsberger Bahnhofes soll, wenn es nach dem Willen der Eisenbahnfreunde geht, erhalten und wieder hergestellt werden. Spätestens zum Bahnhofsfest soll der Kran dann stehen. Ein Kohlekran wurde früher verwendet, um die Tender der Dampflokomotiven mit Brennstoff zu versorgen. Allerdings ist er nicht mit einem klassischen Bagger vergleichbar, auch wenn seine äußere Erscheinung das vermuten lässt. "Man konnte lediglich einen Höhenunterschied überwinden", weiß Hilbert. Die Schaufel musste aber trotzdem von Hand beladen werden.
Derzeit wird noch fleißig an dem Relikt aus alten Bahnzeiten gearbeitet. Mitarbeiter der Rheinsberger Arbeitsförderungsgesellschaft Rabs befreien das stählerne Ungetüm von Rost und Witterungsschäden und verpassen ihm einen neuen Anstrich. Um die Elektrik des Krans, der sich beliebig oft um die eigene Achse drehen kann, in Schwung zu bringen, müssen erst noch alte Schaltpläne ausfindig gemacht werden. Und das ist laut Hilbert nicht so einfach. Schließlich stammt der Stahlkoloss aus der Zeit der Jahrhundertwende und hat mit dem Aussterben der Dampflokomotiven seine Daseinsberechtigung eigentlich verloren. Doch Hilbert hat schon eine heiße Spur auf der Suche nach den begehrten Plänen. Er ist guter Dinge, dass auch die Elektronik des Krans schon bald wieder funktioniert. Bis dahin ist allerdings auch Handbetrieb möglich. Einen Sponsor konnten die Eisenbahnfreunde auch schon für ihr Vorhaben gewinnen. Der Berliner Jürgen Graf unterstützt die Restaurierung mit 1000 Mark.
GREGOR HAAKE
(MAZ (Ruppiner Tageblatt), 2000-08-10)

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