Großer Bahnhof in Rheinsberg
Am Wochenende gab es neue Attraktionen, Zugfahrten und Draisinenausflüge zu erleben

RHEINSBERG. Mit einem Bahnhofsfest hat die Arbeitgemeinschaft (AG) Rheinsberger Bahnhof am Wochenende zahlreiche Gäste in die Stadt gelockt. Die meisten von ihnen kamen am Samstagmorgen mit einem Dampfzug aus Berlin angereist.
"Wir hatten Glück, dass es in den vergangenen Tagen geregnet hat", sagte AG-Vorsitzender Udo Blankenburger, "sonst hätte die Dampflok wegen der hohen Waldbrandgefahr wohl gar nicht herfahren können."
Der Dampfzug war allerdings nicht die einzige Attraktion, die die Rheinsberger Bahnhofsleute für ihr Publikum bereithielten. Eisenbahnfreunde aus Stendal und Tangermünde in Sachsen/Anhalt boten Fahrten mit einer hebelbetriebenen und einer motorisierten Draisine an. Und die Prignitzer Eisenbahngesellschaft pendelte mit einem knapp 50 Jahre alten Triebwagen zwischen der Stadt und dem Stechlinsee.
Auch in der Ausstellung im Bahnhofsgebäude der Stadt gab es wieder einige Neuheiten zu entdecken, So ist im einstigen Unterrichtsraum der Bahner ein alter Fahrkartenschalter eingerichtet wurden. Zu besichtigen sind dort unter anderem Walzen für den Fahrkartendruck, historische Fahrkarten und Suchmeldungen für vor etlichen Jahren verloren gegangende Koffer und anderes.
Am Wochenende hielt dort Renate Weißpfennig die Stellung. Die Rentnerin hat mehr als 35 Jahre auf dem Rheinsberger Bahnhof gearbeitet und kann sich noch gut an die einstige Bestimmung des Raumes erinnern. "Hier wurden früher die Lokführer und Bahnarbeiter weitergebildet. Das war ihr Unterrichtsraum", erzählte die einstige Fahrkartenverkäuferin. Nachts hätten dort oft sogar Bahnbeschäftigte übernachtet, weil nach Feierabend kein Zug mehr fuhr.
Im großen Ausstellungsraum präsentierte Udo Blankenburger eine Lichtsignal-Anlage, die der Verein erst seit kurzem in seinem Besitz hat. Wesentlich stolzer ist er aber über das Ausfahrtssignal, das seit einiger Zeit draußen an den Gleisen steht. "So etwas gab es hier früher ja nicht. Da wurde per Streckentelefon durchgegeben, ob die Gleise frei sind oder nicht."
Auch Modellbahn-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. In einer Halle unweit des Bahnhofes wurde zur großen Tausch-Börse geladen, in der es auch Modell-Boote zu sehen gab. Kinder konnten auf einer Minieisenbahn ihre Runden drehen. Dass sich die Arbeitsgemeinschaft zum Fest auch den Dampfzug aus Berlin leisten konnte, hatte sie vor allem dem Rheinsberger Jürgen Graf zu verdanken, der nach Aussage von Blankenburger eine großzügige Summe für das Fest zur Verfügung stellte. Am Sonnabend übergab auch der CDU-Bürgermeisterkandidat Erich Kuhne einen Scheck über 800 Euro. Damit soll geholfen werden, weitere Fahrten mit historischen Zügen zu finanzieren. Das Geld hatte Kuhne bei Parteifreunden und in örtlichen Unternehmen gesammelt.
Tilman Trebs
(Ruppiner Anzeiger, 2003-09-01)

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