Geliebte Ungetüme
Seit zehn Jahren ist Udo Blankenburger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof

Um den Rheinsberger Bahnhof zu erhalten, gründeten Eisenbahnfans 1997 die „Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof". Seit zehn Jahren ist Udo Blankenburger Vereinschef.

RHEINSBERG. Schon als Kind büxte Udo Blankenburger von zu Hause aus, um am Bahnhof die Lokomotiven zu beobachten. Die schnauften, stießen Dampf unter Pfeifen aus. Das sind Geräusche, die Blankenburger bis heute in Erinnerung hat und noch immer liebt. So verwundert es nicht, dass der heute 54-Jährige zur Bahn ging. Der gelernte Fahrzeugschlosser arbeitete beim Reichsbahnausbesserungswerk in Eberswalde, dann in Neustrelitz beim Bahnbetriebswagenwerk. Mit 50 Jahren hat der gebürtige Mecklenburger den Lokomotiv-Führerschein gemacht. Heute arbeitet der 54-jährige Rheinsberger als Kundenbetreuer im Nahverkehr. Seine Leidenschaft gilt nach wie vor den Eisenbahnen der Vergangenheit - wie den Dampfloks. „Die sind wie Ungetüme, die leben", sagt er. Dieselloks dagegen seien wie Lastwagen auf Rädern.
Seine Liebe zur Eisenbahn kann Blankenburger als Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof" ausleben. Im Lokschuppen fühlt er sich wohl. Der beherbergt ein kleines Eisenbahnmuseum - mit echtem Kohlengrus an den Wänden.
Udo Blankenburger steht dem 1997 gegründeten Verein seit zehn Jahren vor. 1997 fuhr der letzte Zug zum Rheinsberger Kernkraftwerk. Auch die Verbindung nach Berlin wurde zu der Zeit eingestellt. Viele Eisenbahner fragten sich: „Was soll mit dem Rheinsberger Bahnhof passieren?" Sie wollten ihn in seiner Gesamtheit erhalten, also mit Gleisen, Weichen, Stellwerk und Lokschuppen. Das ist dem Verein gelungen.
Aber der Anfang war nicht leicht. „Wir sind sehr blauäugig an die Sache herangegangen", sagt Udo Blankenburger. Keiner wusste so recht, wie man einen Verein aufbaut. Was sie hatten, waren ein alter Castortransportwagen und viele Eisenbahner im Ruhestand, die sich Zeit für den Verein nehmen konnten. Mittlerweile sind 29 Mitglieder im Verein, die Eisenbahner sind in der Minderheit. Vom Dachdecker bis zum Polizisten ist alles dabei. Die einen interessieren sich für Geschichte - wie Holger Pfeifer, der den Verein mit aufgebaut hat. Andere begeistern sich für die alte Technik.
Im Laufe der Jahre hat der Verein viel auf die Beine gestellt. Der Fuhrpark wurde erweitert. Zum Castorwagen sind eine Kleinlok KöII, ein Berliner U-Bahn-Wagen von 1927, ein Gleisarbeitsfahrzeug und verschiedene Waggons gekommen. Seit dem 1. Januar 2006 ist der Verein Eigentümer eines Teils des Bahnhofsgrundstücks.
In diesem Jahr haben die Eisenbahnfans noch Großes vor. „Unser U-Bahnwagen ist in die Jahre gekommen. Er soll eine Überdachung bekommen", sagt Udo Blankenburger. Die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin hat eine größere Spende für den Dachüberbau zugesagt. Balken und Bretter werden noch benötigt. „Wir sagen immer, nun ist es genug", sagt der Vereinschef. Um das Gelände muss ein Zaun gezogen werden. „Baustellen haben wir immer", sagt Blankenburger. Das alles funktioniert nur durch den Zusammenhalt und die Mitarbeit aller, auch die der Ehefrauen. Sie engagieren sich besonders bei den Bahnhofsfesten. Alle tragen dazu bei, dass der Verein im Kulturbetrieb von Rheinsberg laut Blankenburger „ein Zahnrad" ist. Immerhin besuchen rund 1000 Leute jährlich das Eisenbahnmuseum und das traditionelle Bahnhofsfest, dass in diesem Jahr bereits zum 13. Mal stattfindet - zum zehnten Mal unter der Leitung von Udo Blankenburger.
Dagmar Simons
(MAZ, 2011-02-09)

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