Mit Volldampf nach Rheinsberg
Hunderte Besucher erlebten am Wochenende Eisenbahnnostalgie pur / 250 Gäste kamen aus Berlin

Höhepunkt des 14. Rheinsberger Bahnhofsfestes war gestern die Ankunft einer Dampflok aus Berlin. 250 Gäste stiegen aus.
Rheinsberg. Das Rheinsberger Bahnhofsfest hat auch bei der 14. Auflage nichts von seiner Attraktivität verloren. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag kamen mehrere Hundert Besucher auf das Gelände der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof, deren Mitglieder wie immer das Fest vorbereitet hatten.
Eröffnet wurde das Spektakel rund um die Geschichte der nach Rheinsberg führenden Eisenbahnstrecke am Sonnabend mit Blasmusik. Mit der „Limhamns Brassband" war wie in den Vorjahren ein Orchester aus Schweden nach Rheinsberg gekommen, um die Gäste des Bahnhofsfestes zu unterhalten.
Fast bis auf den letzten Platz ausgelastet waren die Fahrten mit dem Uerdinger Schienenbus VT 95. Das Pendant der Ferkeltaxe fuhr an beiden Tagen sechsmal die stillgelegte Strecke vom Rheinsberger Bahnhof durch das Naturschutzgebiet zum Kernkraftwerk (KKW) am Stechlinsee: Gesteuert von Alexander Groß tuckert die Dieselbahn durch die romantische Waldlandschaft. Vor den Straßen, die nach Köpernitz und Menz führen, hält der Schienenbus: Per Hand muss ein Zugbegleiter die Ampel auf Rot stellen. Am Bahnhof Stechlinsee können sich die Fahrgäste dann auf Tafeln über die Geschichte des Kernkraftwerkes informieren.
Viele müssen das gar nicht. Sie sind ehemalige KKW-Mitarbeiter, die die Bahn jahrelang auf ihrem Weg zur Arbeit benutzten, wie Horst Mertsch, der bis 1992 im KKW arbeitete. „Früh um sechs fuhr der erste Zug", sagt der einstige Instandhaltungsingenieur. „Etwas später verkehrte ein Zug, mit dem meist die Frauen fuhren, die zuvor ihre Kinder in die Krippe oder den Kindergarten bringen mussten", berichtet Siegfried Schmidt, der als Elektro-Ingenieur im Kernkraftwerk arbeitete. Um 15 Uhr ging der Zug der Frühschicht dann zurück nach Rheinsberg. Aus der Vogelperspektive konnten Besucher des Bahnhofsfestes das bunte Treiben am Wochenende ebenfalls betrachten. Möglich machte das eine Hebebühne, die auf dem Lidl-Parkplatz stand. Eine Mini-Eisenbahn drehte mit den jüngsten Festbesuchern ihre Runden. Wer wollte, konnte mit einer Fahrrad- oder einer Hebeldraisine vom Bahnhof bis zum Schaltwärterhaus am Holzplatz fahren - eine kraftraubende Angelegenheit.
Im U-Bahn-Wagen, der demnächst eine Überdachung erhält, informierte eine Fotoausstellung über die Strecke, die einst von Löwenberg bis nach Flecken Zechlin führte. Aber auch die vielen Exponate im Lokschuppen, die Signaltechnik, Eisenbahner-Uniformen, die Schalttafeln, Bahnhofsschilder und Arbeitsgeräte, die der Vereinschef Udo Blankenburger und seine Mitstreiter seit der Vereinsgründung 1997 zusammengetragen haben, wurden bestaunt.
Höhepunkt am Sonntag war das Eintreffen des Traditionszuges, der von einer Lokomotive der Baureihe 52 gezogen wird. Es sind weit über 100 Besucher, die - meist mit einem Fotoapparat bewaffnet - kurz vor 11.30 Uhr das Eintreffen des Zuges erleben wollen. Kurz nachdem in der Ferne ein Pfeifen zu hören war, ist auch die Rauchfahne der Lok zu erkennen, die schnaubend den Bahnhof erreicht. Aus dem Zug, der kurz nach 8 Uhr in Berlin-Schöneweide gestartet war, steigen 250 Besucher.
Die gewaltige Lokomotive, die einem Berliner Verein gehört, wurde sofort umlagert. Wer sich besonders für das stählerne Ungetüm interessierte, konnte sogar in den Führerstand der Lok klettern.
Jürgen Rammelt
(MAZ, 2012-08-27)

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