Presseartikel 2015
MAZ, 22.09.15
Per Zug in die Vergangenheit
Eisenbahnfans halten mit einer Ausstellung den Rheinsberger Bahnhof am Leben
Rheinsberg. Für Werner Gotthardt ist der Besuch des Eisenbahnmuseums auf dem Rheinsberger Bahnhofsgelände ein reines Schwelgen in Erinnerungen. Der 86-jährige war 33 Jahre Leiter des Bahnbetriebswerks Neuruppin und, wie er betont, "gleichzeitig auch der dienstälteste eines Betriebswerks der Deutschen Reichsbahn". In der liebevoll zusammengestellten Ausstellung, die die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof immer wieder mit Neuanschaffungen bestückt, stößt Werner Gotthardt unter anderem auf eine Doppelkolbenpumpe aus dem Jahr 1938. "Die haben wir gehütet wie unseren Augapfel", erinnert sich der Senior. Damit wurde bis 1970 Brauchwasser aus dem Klappgraben in den Wasserturm des Bahnbetriebswerks befördert, der wiederum alle Wasserkräne des Werks und den Neuruppiner Bahnhof speiste. Auch "sein" ehemaliges Notstromaggregat findet Gotthardt dort wieder.
"Wir haben eine sehr große Kleinteileausstellung", sagt Vereinschef Udo Blankenburger stolz. Alte Eisenbahntechnik, Fahrkarten, Dokumente, Schienen, Gleisbefestigungen, Weichen und vieles mehr, was das Herz von Eisenbahnfans höher schlagen lässt, sind dort zu sehen. Das alles haben die Vereinsmitglieder im Laufe der Jahre zusammengetragen. "Wir wollen nachfolgenden Generationen vermitteln, wie Eisenbahn mal war. Viele Kinder kennen heute keine Zugfahrten mehr", sagt der zweite Vorsitzende Gottfried Koch. Der ehemalige Eisenbahner engagiert sich seit 2003 im Verein. Sein Interesse an alter Technik und allem, was mit Eisenbahnen zu tun hat, gilt der Zeit vor 1994. Bevor die Deutsche Bahn als Aktiengesellschaft gegründet wurde. Sie entstand aus der Zusammenlegung der beiden Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn. Für Gottfried Koch ist es seitdem nicht mehr "die Bahn". Er hält es mehr mit dem ehemaligen Reichskanzler Bismarck, der die Bestimmung von Eisenbahnen nicht in erster Linie im Erzielen von Gewinnen sah, sondern "als dem Gemeinwohl verpflichtete Verkehrsanstalten". Auch Blankenburgers Liebe gilt alten Maschinen wie den Dampfloks. Der gelernte Fahrzeugschlosser sattelte mit 50 Jahren auf den Beruf des Lokführers um. Heute arbeitet er als Zugbegleiter. In seiner Freizeit widmet er sich seiner Leidenschaft, der alten Eisenbahntechnik. Dieses Hobby verbindet ihn mit seinen Vereinskollegen.
Gegründet wurde der Verein 1997 von damals aktiven und ehemaligen Eisenbahnern, die den Rheinsberger Bahnhof wieder beleben wollten. 1996 war die Fahrkartenausgabe geschlossen, der Personenverkehr zum Kernkraftwerk eingestellt worden. Dem Verein ist zu verdanken, dass der Rheinsberger Bahnhof erhalten bleibt. 29 Mitglieder hat der Verein zurzeit. "Die wenigsten davon sind Eisenbahner. Das war bei der Vereinsgründung anders", sagt Udo Blankenburger. Der 27-jährige Nicht-Eisenbahner Carsten Hacke ist seit 2000 dabei und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Er hilft, wo er kann.
Zu tun gibt es genug. Da müssen Schwellen gewechselt, Wagen gestrichen oder das Dach geteert werden. In diesem Jahr konnte der Verein seine Sammlung um eine Holzschwellenfräse erweitern, die aufgearbeitet werden muss. Die Auffahrt wurde befestigt, ein Trägergestell für eine Überdachung des Lokschuppens gebaut, der U-Bahn-Wagen lackiert. Arbeitslos wird der Verein, der in zwei Jahren sein 20-jähriges Bestehen feiert, so schnell also nicht. Was er in dieser Zeit auf die Beine gestellt hat, ist sehenswert, auch für Nicht-Eisenbahnfans.
Hinweis: Die Ausstellung ist jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter www.bahnhof-rheinsberg.de.
Dagmar Simons

RA, 01.09.15
Zwischen Draisinen und Mitropa-Geschirr
Die 17. Auflage des Bahnhofsfestes lockte wieder einige Hundert Besucher an
Rheinsberg (jr) Udo Blankenburger war froh, dass er für das Rheinsberger Bahnhofsfest am Sonnabend noch einen Triebwagen organisieren konnte. Als der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof erfuhr, dass das ursprüngliche zugesagte Gefährt defekt und die Reparatur bis zum Wochenende nicht zu schaffen ist, hat er etliche Telefongespräche geführt, um die Situation zu retten.
„Jetzt können die Fahrten zum Bahnhof Stechlinsee am KKW-Standort starten", zeigte sich Blankenburger am Sonnabend erleichtert. Aus der „Ferkeltaxe" wurde eine „Graue Maus", wie die Fahrzeuge volkstümlich genannt werden. Der Vereinschef freute sich dass auch die 17. Auflage des Bahnhofsfestes viele Fans alter Eisenbahntechnik auf das Gelände am Bahnhof gelockt hat. An beiden Tagen nutzten viele Besucher die Möglichkeit, sich die Sammlung der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof sowie die Fahrzeuge und Exponate zur Geschichte der Eisenbahn anzuschauen. Ein Blick in den ehemaligen Lokschuppen, in dem der Verein seine besonderen „Schätze" aufbewahrt, war ein Muss für die Technikfans.
Eröffnet wurde das Fest, das wieder von den rund 30 Vereinsmitgliedern und etlichen Helfern organisiert wurde, mit den Kyritz Musikanten. Besonders beliebt waren die Sonderfahrten zum Bahnhof Stechlinsee mit einem Dieseltriebwagen. Das Gefährt, das der hanseatischen Eisenbahn GmbH gehört, wurde von Bert Fetzer gesteuert und fuhr im Stundentakt zum stillgelegten Kernkraftwerk. Außerdem war ein Triebwagen der Berliner Eisenbahnfreunde mit 90 Gästen aus der Hauptstadt zum Bahnhofsfest gekommen.
Wer keine Angst hatte, konnte sich mit einem Hubsteiger in die Höhe befördern lassen und das Bahnhofsgelände aus der Vogelperspektive betrachten. Beliebt waren auch die Fahrten mit der Draisine. Diesmal war es Udo Blankenburger und seinen Mitstreitern gelungen, eine Hebeldraisine nach Rheinsberg zu holen. Es gab Stände mit Modellbahnbedarf, Mitropa-Geschirr, allerlei Trödel sowie Lektüre rund um die Eisenbahn und eine Tombola. Besonders erfreut zeigte sich Udo Blankenburger über die neuesten Exponate seines Vereins, eine Schwellenfräse und ein Bremsprobesignal. Für Musikalische Unterhaltung sorgten die Gruppe „Country Büfett", das Blasorchester und die Gruppe „Quietschfidel" aus Rheinsberg. Aber auch die Feuerwehr, die ihre neue und alte Technik präsentierte, trag zum Gelingen des Festes bei. Den größten Anteil leisteten jedoch die Vereinsmitglieder: "Ohne die zahlreichen Helfer und deren Familienangehörige ist so ein Fest nicht zu stemmen", so Udo Blankenburger.
Jürgen Rammelt

MAZ, 01.09.15
Nicht nur für Eisenbahnfans
Das 17. Rheinsberger Bahnhofsfest zog viele Besucher von nah und fern an
Rheinsberg - Es wird mit den Finger geschnippt, mit den Füßen im Takt mitgewippt und manchen hält es nicht auf seinem Sitz. Beim Bahnhofsfest in Rheinsberg heizte die Gruppe "Country Büffet" aus Mecklenburg-Vorpommern den zahlreichen Besuchern kräftig ein.
Bereits zum 17. Mal veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof gemeinsam mit dem Heimatverein Rheinsberger Seenkette an diesem Wochenende ein buntes Treiben für die ganze Familie und natürlich für Eisenbahnfans wie Marko Pfafl. Der Thüringer hat sich extra morgens um halb fünf in die Bahn gesetzt, um dabei sein zu können. Ihm hat es besonders das mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Eisenbahnmuseum angetan. "Mich interessiert die historische Technik", sagt er. Frank Schmidt dagegen hat mit Eisenbahnen nichts am Hut. "Es ist reiner Zufall, dass ich hier bin." Der Berliner verbringt seinen Urlaub in der Region und hat gesehen, dass am Bahnhof etwas los ist.
Der Verein bemüht sich immer um besondere Attraktionen. An diesem Wochenende sind ein Uerdinger Schienenbus und ein LVT der hanseatischen Eisenbahn vor Ort. Bei den Kindern waren die beiden Draisinen der Renner. Die Fahrraddraisine gehört dem Verein, die Hebeldraisine ist aus Pritzwalk ausgeliehen. Vereinsmitglied Carsten Hacke als Begleitperson hat genug zu tun. Vereinschef Udo Blankenburger rechnet mit rund 500 Besuchern: "Es ist ein Kommen und Gehen." Das erste Bahnhofsfest wurde 1999 veranstaltet, anlässlich 100 Jahre Eisenbahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg.
Mittlerweile ist es Tradition geworden, zu deren Gelingen viele freiwillige Helfer beitragen wie die Ehefrauen, die für das Kuchenbuffet backen oder die freiwillige Feuerwehr. Sie wurde geehrt, weil sie das Fest bereits zum 15. Mal absichert. "Die Einnahmen sichern uns das Überleben für das kommende Jahr", sagt Blankenburger. Denn der Unterhalt des Geländes verschlingt Geld, genauso wie die Instandsetzung der frisch restaurierten U-Bahn, in der eine Fotoausstellung zur historischen "Paulinenauer Bahn" zu sehen ist.
"Wir haben lange daran geschliffen und gebaut. Jetzt fehlen nur noch die original schwarzen Streifen", sagt Blankenburger. Das wird nicht mehr lange dauern. Doch an diesem Wochenende wurde nicht gearbeitet, sondern gefeiert.
Dagmar Simons