Presseartikel 2013
MAZ, 02.09.13
Bahn frei für Fans
Die 15. Auflage des Bahnhofsfestes lockte am Wochenende hunderte Besucher nach Rheinsberg
RHEINSBERG. Das Rheinberger Bahnhofsfest hat auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Fans alter Eisenbahntechnik auf das Gelände am Ortsausgang in Richtung Köpernitz gelockt. Sowohl am Sonnabend als auch gestern nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich die Sammlung der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof, die Triebfahrzeuge und die Exponate zur Geschichte der Rheinsberger Eisenbahn anzuschauen. Ein Blick in den ehemaligen Lokschuppen, in dem der Verein seine besonderen Schätze aufbewahrt, war erneut ein Muss für Technikfans.
Eröffnet wurde das Spektakel, das zum 15. Mal von den rund 30 Vereinsmitgliedern organisiert worden war, mit Musik. Das schwedische Orchester „Höganäs Musikkar" spielte am Sonnabend Märsche und andere Melodien; die Gruppe „Country Büffet", die Blaskapelle aus Rheinsberg sowie „Eric & Markus" schlossen sich an.
Der Renner waren wieder die beliebten Sonderfahrten zum Bahnhof Stechlinsee mit einem Triebwagen der Hafenbahn Neustrelitz. Das Museumsfahrzeug, zu DDR-Zeiten auch Ferkeltaxe genannt, fuhr an beiden Tagen zu jeder vollen Stunde durch den Naturpark Stechün-Ruppiner Land zum stillgelegten Kernkraftwerk und wieder zurück.
Eine Attraktion des Festes war zudem die Modelleisenbahnausstellung in einer Halle der ehemaligen Berlin-Chemie. Dort stellte die Ruppiner Eisenbahn- und Modellbahnarbeitsgemeinschaft aus Berlin-Hellersdorf ihre sieben mal 22 Meter große H0-Modellbahnanlage aus. In akribischer und jahrelanger Kleinarbeit haben die Bastler die Bahnstrecke von Löwenberg bis Rheinsberg im Maßstab 1:87 nachgebaut. Die Festbesucher bestaunten vor allem die Detailtreue des Werkes: Einzelne Gehöfte, Schuppen, Brücken und die unverkennbare Landschaft lassen die Anlage besonders authentisch wirken.
Zum Programm des Bahnhofsfestes gehörte darüber hinaus eine Löschvorführung der örtlichen Feuerwehr. Wer wollte, konnte sich mit einem Hubsteiger in die Höhe befördern lassen und das Bahnhofsgelände und die Stadt aus der Vogelperspektive betrachten. Beliebt waren auch die Fahrten mit der Handhebel-Draisine. Die jüngsten Festgäste freuten sich über eine Mini-Dampfeisenbahn, eine Hüpfburg und ein Kinderkarussell. Hans Lipowski servierte Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, die Frauen der Vereinsmitglieder hatten Kuchen gebacken. An Ständen mit Literatur, Trödel und Modellbahnbedarf konnten die Besucher schmökern, staunen und kaufen.
Gottfried Koch, der am Wochenende den erkrankten Vereinsvorsitzenden Udo Balkenburger vertrat, war mit der Resonanz zufrieden. Besonders stolz verwiesen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft auf das neue Dach über dem U-Bahnwagen (die MAZ berichtete). „Jetzt können wir auch an einen neuen Farbanstrich denken" , sagte Koch. Zu den neuen Errungenschaften des Bahnhofsvereins gehört auch eine neu entwickelte und gesponserte Tafel über die Geschichte der Werksbahn. Sie ist im Lokschuppen zu sehen.
Jürgen Rammelt

RA, 02.09.13
Die Weichen waren gestellt
Rheinsberger Bahnhofsfest erfreute zahlreiche Besucher mit abwechslungsreichem Programm
Rheinsberg. Wie auf einem großen Bahnhof herrschte am Sonnabend ein Kommen und Gehen. Nur hatte auf dem Rheinsberger Bahnhof keiner großes Gepäck oder einen Koffer dabei. Kein Wunder, denn die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof sowie der Heimatverein Rheinsberger Seenkette hatten für das Wochenende zum Bahnhofsfest eingeladen. Das bunte Treiben spielte sich hinter dem Hauptgebäude am Ende des Bahnsteigs ab. Besucher spazierten das letzte Stück entlang den Schienen zum Festplatz. Die Haltesignale standen auf Stopp und die Weichen waren gestellt für ein Fest, für das sogar die Musikband „Höganäs Musikkar" aus Schweden anreiste und für einen stimmungsvollen Auftakt sorgte. Die 40 Mann starke Truppe kam nicht mit der Bahn sondern mit dem Bus. Dass sie sich wegen eines Staus verspätete, nahmen die ersten Besucher gelassen. An diesem Tag schaute keiner auf die Uhr. Egal wie spät es war, die Zeiger der Bahnhofsuhr am Eingang des Hauptgebäudes standen immer auf 10.15 Uhr. Für die Besucher gab es viel Abwechslung, und es schlugen nicht nur für Eisenbahnfreunde die Herzen höher. Anne Krüger aus Rheinsberg beispielsweise ackerte am Hebel einer Draisine und beförderte ihren Mann und kleinen Sohn einen Kilometer die Schienen entlang. „Familie Krüger hat das Autofahren aufgegeben", rief sie laut lachend. Die körperliche Tätigkeit und die frische Luft machten ihr gute Laune. Der fünfjährige Max staunte und durfte am Ende der Fahrt bremsen. Diese Familie hatte bereits eine Tour mit dem Schienenbus, im Volksmund „Ferkeltaxi", hinter sich. Stündlich ließ Fahrdienstleiter Andreas Reuter diesen Traditionszug mit Besuchern zum stillgelegten Kernkraftwerk Rheinsberg (KKW) abfahren. „Ich war ängstlich", beschrieb Anne Krüger ihr Gefühl über die dort herrschende Stille. Auch der Anblick von Stacheldraht sei für sie beklemmend gewesen. Vor dem ehemaligen Lokschuppen des Bahnhofs Rheinsberg machten es sich direkt an den Schienen Gäste gemütlich, um sich von der Gruppe „Country Büffet" aus Mecklenburg-Vorpommern unterhalten zu lassen, andere besichtigten die gesammelten Exponate - Fahrzeuge, bahntechnische Geräte, Stellwerke, Kohlenkran mit Lore sowie die Geschichte der Löwenberg-Rheinsberg-Flecken-zechliner Eisenbahn. Stolz präsentierte Siegfried Adomeit vom Verein Rheinsberg Bahnhof einen original erhaltenen Fahrkartenschrank, der 1928 im Rheinsberger Bahnhof stand und unzählige abgestempelte Karten enthält.
Anziehungspunkt für die Besucher war auch das Modell eines U-Bahnwagens aus Berlin, Baujahr 1927. „Ein schöner Kontrast", sagte Gottfried Koch, stellvertretender Vorsitzende und zeigte stolz auf die 100 Jahre alten Dachstützen, die einst am Bahnhof Ostkreuz in Berlin standen. Die schenkte Jürgen Graf, der inzwischen verstorbene Ehrenbürger der Stadt Rheinsberg, dem Verein.
iby