Presseartikel 2012
MAZ, 18.10.12
Bahnsteigsäulen am Haken
U-Bahn-Wagen am Rheinsberger Bahnhof bekommt ein Dach
Rheinsberg. Für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof gab es gestern jede Menge Arbeit: Mit einem Kran wurden die acht Säulen für das Dach über dem U-Bahn-Wagen neben dem alten Lokschuppen aufgestellt. Nun kann der Bau des Daches beginnen. Es soll den Wagen vor der Witterung schützen. Für den Verein ist die Überdachung im Moment das wichtigste Projekt - und das schwierigste. Als der Verein vor zwei Jahren die Säulen des alten Bahnsteigdachs am Berliner Ostkreuz bekam, ahnte er davon noch nichts.
Da es sich bei der Überdachung um ein Bauwerk handelt, mussten wir Projektunterlagen in Auftrag geben und einen richtigen Bauantrag stellen", erklärt der zweite Vorsitzende Gottfried Koch. „Als dann die Untere Bauaufsicht auch noch wissen wollte, wie hoch das Dach über Null wird, kamen wir nicht umhin, die ganze Sache sogar vermessen zu lassen." Doch das war nicht alles: Da das Dach nicht in das Grundstück der Deutschen Bahn ragen darf, musste der U-Bahn-Wagen um 1,5 Meter versetzt werden. Ihn hatte 2006 Ehrenbürger Jürgen Graf nach Rheinsberg geholt, vorher stand er in der Berliner Mercedes-Welt. „Das haben wir mit einiger Kraft und unserer Technik bewerkstelligt", berichtet Koch. Doch für die Pläne, die Fundamente und das Aufstellen der Säulen benötigte der Verein Fachfirmen und einen Kran. 7000 Euro hat der dafür bereits ausgegeben, unterstützt mit Spenden von Stadt und Sparkasse.
Im Moment sieht der U-Bahn-Wagen aus, als wenn er mit gelber Farbe beschmiert ist. Aber das ist gewollt, es ist Rostschutz. Wenn das Dach im kommenden Jahr fertig ist, soll es aussehen wie einst auf einem richtigen Bahnhof. Auch der U-Bahnwagen soll dann wieder in U-Bahn-Gelb leuchten. „Die Farbe bekommen wir gespendet", freut sich Gottfried Koch. „Zum Pinsel greifen müssen wir jedoch selbst."
Jürgen Rammelt

Ruppiner Anzeiger, 20.10.12
Den alten Pfeilern fehlt noch das Dach
Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof sucht weitere Sponsoren
Rheinsberg. Bereits vor gut einem Jahr hatte die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof angekündigt, ihren historischen U-Bahnwagen mit einer Überdachung vor Witterungseinflüssen schützen zu wollen. Lange Zeit tat sich nichts.
Doch vor kurzem wurden nun die früheren Bahnsteig-Stützen vom Berliner Bahnhof Ostkreuz montiert. Sie stammen von 1902 und passen daher gut zum alten U-Bahnwagen. Wie der zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Gottfried Koch, jetzt berichtete, konnten die Pfeiler nur mit der Hilfe vieler engagierter Menschen aus der Region aufgestellt werden. So hätten die Stadt Rheinsberg und die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin sich finanziell beteiligt. Unterstützung kam auch von Unternehmen und Dienstleistern aus der Region.
Noch fehlt das schützende Dach. Um es anfertigen und montieren zu können, sind ebenfalls wieder Sponsoren gefragt. Der Verein allein kann sich diese Ausgaben nicht leisten. Noch fehlt den Stützen auch der charakteristische dunkelgrüne Anstrich aus der Zeit der Deutschen Reichsbahn. Die alte U-Bahn brauchte zudem dringend neue Farbe. Wer sich an der Finanzierung beteiligen will, kann sich beim Verein per E-Mail unter ag@bahnhof-rheinsberg.de melden. Die Mitglieder des Vereins würden sich sehr über ein Sponsoring freuen.
Die Bahnhofs-AG gehört inzwischen fest zur Rheinsberger Kulturlandschaft. Das von ihr betriebene Eisenbahnmuseum im Lokschuppen zieht Besucher aus ganz Deutschland an. Die Mitglieder haben dort Schienenfahrzeuge und Eisenbahntechnik des vergangenen Jahrhunderts zusammengetragen. Beliebt ist auch das Bahnhofsfest, das jährlich Ende August stattfindet. Aus diesem Anlass wird die ansonsten fast nicht mehr genutzte Bahnstrecke zu dem im Rückbau befindlichen Kernkraftwerk am Stechlinsee befahren.
Holger Rudolph

MAZ, 27.8.12
Mit Volldampf nach Rheinsberg
Hunderte Besucher erlebten am Wochenende Eisenbahnnostalgie pur / 250 Gäste kamen aus Berlin
Höhepunkt des 14. Rheinsberger Bahnhofsfestes war gestern die Ankunft einer Dampflok aus Berlin. 250 Gäste stiegen aus.
Rheinsberg. Das Rheinsberger Bahnhofsfest hat auch bei der 14. Auflage nichts von seiner Attraktivität verloren. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag kamen mehrere Hundert Besucher auf das Gelände der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof, deren Mitglieder wie immer das Fest vorbereitet hatten.
Eröffnet wurde das Spektakel rund um die Geschichte der nach Rheinsberg führenden Eisenbahnstrecke am Sonnabend mit Blasmusik. Mit der „Limhamns Brassband" war wie in den Vorjahren ein Orchester aus Schweden nach Rheinsberg gekommen, um die Gäste des Bahnhofsfestes zu unterhalten.
Fast bis auf den letzten Platz ausgelastet waren die Fahrten mit dem Uerdinger Schienenbus VT 95. Das Pendant der Ferkeltaxe fuhr an beiden Tagen sechsmal die stillgelegte Strecke vom Rheinsberger Bahnhof durch das Naturschutzgebiet zum Kernkraftwerk (KKW) am Stechlinsee: Gesteuert von Alexander Groß tuckert die Dieselbahn durch die romantische Waldlandschaft. Vor den Straßen, die nach Köpernitz und Menz führen, hält der Schienenbus: Per Hand muss ein Zugbegleiter die Ampel auf Rot stellen. Am Bahnhof Stechlinsee können sich die Fahrgäste dann auf Tafeln über die Geschichte des Kernkraftwerkes informieren.
Viele müssen das gar nicht. Sie sind ehemalige KKW-Mitarbeiter, die die Bahn jahrelang auf ihrem Weg zur Arbeit benutzten, wie Horst Mertsch, der bis 1992 im KKW arbeitete. „Früh um sechs fuhr der erste Zug", sagt der einstige Instandhaltungsingenieur. „Etwas später verkehrte ein Zug, mit dem meist die Frauen fuhren, die zuvor ihre Kinder in die Krippe oder den Kindergarten bringen mussten", berichtet Siegfried Schmidt, der als Elektro-Ingenieur im Kernkraftwerk arbeitete. Um 15 Uhr ging der Zug der Frühschicht dann zurück nach Rheinsberg. Aus der Vogelperspektive konnten Besucher des Bahnhofsfestes das bunte Treiben am Wochenende ebenfalls betrachten. Möglich machte das eine Hebebühne, die auf dem Lidl-Parkplatz stand. Eine Mini-Eisenbahn drehte mit den jüngsten Festbesuchern ihre Runden. Wer wollte, konnte mit einer Fahrrad- oder einer Hebeldraisine vom Bahnhof bis zum Schaltwärterhaus am Holzplatz fahren - eine kraftraubende Angelegenheit.
Im U-Bahn-Wagen, der demnächst eine Überdachung erhält, informierte eine Fotoausstellung über die Strecke, die einst von Löwenberg bis nach Flecken Zechlin führte. Aber auch die vielen Exponate im Lokschuppen, die Signaltechnik, Eisenbahner-Uniformen, die Schalttafeln, Bahnhofsschilder und Arbeitsgeräte, die der Vereinschef Udo Blankenburger und seine Mitstreiter seit der Vereinsgründung 1997 zusammengetragen haben, wurden bestaunt.
Höhepunkt am Sonntag war das Eintreffen des Traditionszuges, der von einer Lokomotive der Baureihe 52 gezogen wird. Es sind weit über 100 Besucher, die - meist mit einem Fotoapparat bewaffnet - kurz vor 11.30 Uhr das Eintreffen des Zuges erleben wollen. Kurz nachdem in der Ferne ein Pfeifen zu hören war, ist auch die Rauchfahne der Lok zu erkennen, die schnaubend den Bahnhof erreicht. Aus dem Zug, der kurz nach 8 Uhr in Berlin-Schöneweide gestartet war, steigen 250 Besucher.
Die gewaltige Lokomotive, die einem Berliner Verein gehört, wurde sofort umlagert. Wer sich besonders für das stählerne Ungetüm interessierte, konnte sogar in den Führerstand der Lok klettern.
Jürgen Rammelt

Ruppiner Anzeiger, 27.8.12
Nostalgie auf der Schiene
Ferkeltaxe zum Kernkraftwerk als Publikumsmagnet beim Rheinsberger Bahnhofsfest
RHEINSBERG. Andre Reuter ließ sich am Sonnabend oft fotografieren. In traditioneller Uniform gab er am Sonnabend den Schaffner. Für das Rheinsberger Bahnhofsfest wurde eine alte Ferkeltaxe wieder in Betrieb genommen.
Als Reuter die Kelle hebt und die Pfeife erklingen lässt, drücken wieder Finger auf die Auslöser von Kameras. „Dafür bin ich hier. Wer weiß, wie oft die Leute so etwas noch zu sehen bekommen", sagt der 57-Jährige im Hinblick auf den Leichttriebwagen der DDR - im Volksmund Ferkeltaxe genannt -der an jenem Tag zwischen Rheinsberg und dem Stechlinsee unterwegs ist.
Als Attraktion für das Fest hat die organisierende Arbeitsgemeinschaft (AG) Rheinsberger Bahnhof ein solches Gefährt organisiert. Der Verein „Berliner Eisenbahnfreunde" aus Basdorf bei Wandlitz hatte das Fahrzeug zur Verfügung gestellt.
Für die Fahrt in die Prinzenstadt wurde eine Streckennutzungsgebühr nötig. „Deshalb wissen wir nicht, ob die Ferkeltaxe auch im nächsten Jahr kommt", so Reuter. Am Sonnabend genießt der Waggon volle Aufmerksamkeit der Gäste.
Die 40-minütigen Fahrten zum Kernkraftwerk und zurück werden gut angenommen, gerne zahlen die Gäste die fünf Euro. Immerhin bietet das Fahrzeug jede Menge Nostalgie und weckt bei vielen Leuten Erinnerungen an die eigene Vergangenheit.
Doch auch Reuter selbst ist mit seiner Uniform ein Hingucker und beliebtes Fotomotiv. Der Löwenberger hat nicht nur in seiner Freizeit mit Zügen zu tun. Seit 37 Jahren arbeitet er als Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. „Ich hab den Beruf von der Pike auf gelernt", sagt er stolz.
Dass er seine Arbeit liebt, ist offensichtlich. Immerhin befasst er sich auch in der Freizeit mit allem, was mit Eisenbahnen zu tun hat.
Auch abseits vom Bahnsteig, an dem Reuter Dienst schiebt, ist jede Menge los. Von der Bühne erklingen gecoverte Rocksongs, an mehreren Ständen werden Modelleisenbahnen und alles, was irgendwie mit Bahn zu tun hat, verkauft.
Beliebt sind auch die Draisinen. Immer wieder fahren Gruppen mit den handbetriebenen Gefährten übers Gleis. Die jüngsten Besucher interessieren sich vor allem für die Miniatur-Dampflock, die neben dem Bahnhofsgelände ihre Runden dreht. Das winzige Schienenfahrzeug wird tatsächlich mit Kohlen angetrieben. Schwindelfreie Gäste können sich aus fast 30 Metern Höhe einen Überblick über das Bahnhofsgelände, Rheinsberg und Umgebung machen. Ein Kran transportiert kleine Gruppen in luftige Höhen. Von oben ist das etwa sechs Kilometer entfernte Kernkraftwerk zu sehen. Währenddessen ertönt am Boden ein Pfiff: Die Ferkeltaxe fährt dorthin.
Brian Kehnscherper

Ruppiner Anzeiger, 27.7.11
Lokale Bahngeschichte konserviert
Ein Rheinsberger Verein restauriert Loks sowie Waggons, sammelt Werkzeuge und zeigt das Ergebnis im Museum
RHEINSBERG. Begonnen hatte alles 1997. Damals fanden einige Rheinsberger Bahnfans, das 100-jährige Bestehen der Strecke Rheinsberg-Löwenberg müsste 1999 würdig begangen werden. So kam es zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e. V. Um das Jubiläum vorbereiten zu können, mussten geeignete Räume her. Der Verein nutzte dafür von Anfang an den von der Deutschen Bahn AG nicht mehr benötigten Lokschuppen am Bahnhof. Das Fest zum 100-jährigen Streckenbestehen wurde ein voller Erfolg. Das Bahnhofsfest war geboren. Seither findet es immer Ende August statt.
Erst deutlich später kaufte der Verein den Lokschuppen und einen Teil des Bahnhofsgeländes. Der Vereinsvorsitzende Udo Blankenburger erinnert sich: „Dass wir dafür keinen allzu hohen Preis bezahlen mussten, haben wir dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn zu verdanken, der sich unser Museum im Jahr 2000 angesehen hatte und davon begeistert war."
Nach dem Tod des ersten Vorsitzenden und Vereins-Motors Volkmar Hilbert, der 2001 mit nur 35 Jahren an einer schweren Krankheit starb, übernahm Blankenburger den Vorsitz. Der Bahnfahrzeug-Schlosser und Lokführer ist seit Jahren als Kundenbetreuer im Berliner Ostbahnhof tätig. Das Herz des 54-Jährigen schlägt für die Bahn. So geht es auch seinen 29 Mitstreitern. Längst nicht alle von ihnen haben auch beruflich mit Schienenfahrzeugen zu tun. Ihnen gemein ist das Interesse an der Bahn. Immer dienstags von 14 bis 18 Uhr treffen sie sich im Lokschuppen, sofern es die Arbeitszeit erlaubt. Dann hat auch ihr dort eingerichtetes Bahnmuseum geöffnet. Es beherbergt die Kleinlok Kö von 1936 ebenso wie das betagte Kranfahrzeug SKL 25. Die Bahnfreunde restaurierten viele Loks und Waggons selbst - ungezählte Stunden emsiger Arbeit.
Es gibt nicht nur Loks und Wagen zu sehen, beachtlich ist auch die Kleinteile-Ausstellung. Von Streckentelefonen über Zugtoiletten bis hin zu alten Fahrkartenautomaten reicht die Palette.
Nahezu einzigartig am Rheinsberger Bahnhof sei das komplett erhaltene Ensemble samt Stellwerk, Lokschuppen und Wasserkran, sagt Blankenburger. Es gibt noch viel zu tun für den Verein, denn alles soll für kommende Generationen erhalten werden.
Wer eventuell Mitglied werden will, kann bei einem der Dienstags-Treffen in den Verein hineinschnuppern.
Holger Rudolph

AG Rheinsberger Bahnhof e. V.

KONTAKT:
AG Rheinsberger Bahnhof
Damaschkeweg 14
16831 Rheinsberg
Telefon: (03 39 31) 3 70 17
E-Mail-Adresse: ag@bahnhof-rheinsberg.de
Internet-Auftritt: www.bahnhof-rheinsberg.de

DATEN:
Vereinsvorsitzender: Udo Blankenburger
Gründung: 1997
Mitgliederzahl: 30
Beitrag: fünf Euro pro Monat, Jugendliche zahlen 2,50 Euro im Monat

Drei Fragen an:
Udo Blankenburger, Vorsitzender des Vereins

Bahnvereine gibt es viele, was unterscheidet die Arbeitsgemeinschaft von anderen?
Blankenburger: Wir dokumentieren die Geschichte der Bahn in der Region und verfügen über eine sehr große Kleinteile-Ausstellung.

Was ist das nächste große Projekt des Vereins?
Blankenburger: Unser U-Bahn-Wagen bekommt eine Überdachung. Dabei gibt es finanzielle Schwierigkeiten, doch wir ziehen das durch.

Vielen Vereinen mangelt es an jungen Mitgliedern...
Blankenburger: Ja, unserem auch. Das Ende der Lehre bringt meist einen Umzug - oft in ein anderes Bundesland - mit sich. Dem Verein gehen diese Mitglieder dann verloren. Wir würden uns sehr über junge Mitstreiter freuen.

MAZ, 20.8.11
Ein gelbes Sorgenkind
Wind und Wetter setzen dem historischen U-Bahn-Wagen in Rheinsberg zu
1927 wurde der Rheinsberger U-Bahn-Wagen gebaut, bis 1973 fuhr er. Anschließend wurden darin Mercedes-Autos verkauft, unter anderem an Harald Juhnke und Brigitte Mira.
RHEINSBERG. Die Faszination kommt innen. Sie geht von den Holzwänden und den Kunstledersitzen aus, von den angeklebten Original-U-Bahn-Plänen am Fenster. Dicke Linien zeigen das Westberliner U-Bahn-Netz, mittendrin sind Bahnhöfe ausgekreuzt. „Bahnhöfe, an denen die Züge nicht halten", heißt es bürokratisch-nüchtern in der Legende - es waren die Geisterbahnhöfe auf Ostberliner Gebiet, die die U-Bahnen ohne Halt durchfuhren. Der alte U-Bahnwagen auf dem Rheinsberger Bahnhof hat eine Menge Geschichte hinter sich - aber erst die vergangenen Jahre haben ihm wirklich zugesetzt. Die Farbe blättert ab, eine Seite wurde vor kurzem Opfer von Grafitti-Sprayern und ist nur notdürftig übergestrichen worden. „Wir müssen an dem Wagen etwas machen", sagt Udo Blankenburger. Er ist Vorsitzender des Fördervereins Rheinsberger Bahnhof, dem der U-Bahn-Wagen gehört. „Aber das lohnt sich nicht, bevor das Dach nicht steht."
Gebaut wurde der alte Wagen 1927, er ist ein Steuerwagen für die U-Bahnzüge, mit einem Steuerstand für Fahrer und Schaffner vorn. Bis 1973 rollte er durch die wechselvolle-Geschichte Berlins, zuletzt für die Westberliner BVG. Dann wurde er ausgemustert und stand zur Verschrottung an. Die Berliner Mercedeswelt übernahm ihn, allerdings ohne Drehgestelle und Räder. In den aufgebockten Wagenkasten ließ Mercedes viele kleine und einen etwas größeren Tisch einbauen. Dort wurden die Verkaufsverträge für neue Autos unterschrieben, unter anderem mit den Promis der 70er und 80er Jahre. Sie durften auf einer noch erhaltenen Gäste-Tafel unterschreiben. Darunter waren Susanne und Harald Juhnke und Brigitte Mira. 2006, bei einer Umgestaltung der Mercedeswelt, sollte der Wagen verschwinden. Jürgen Graf, Ex-ARD-Journalist und Rheinsberger Ehrenbürger, vermittelte ihn an den Bahnhofsverein. Zur Eröffnung kam sogar Altbundespräsident Walter Scheel nach Rheinsberg und sang „Hoch auf dem gelben Wagen". Ein Foto davon hängt im Wagen.
Wind und Wetter war der Wagen vor seiner Rheinsberger Zeit aber nie wirklich ausgesetzt. Fuhr er auf oberirdischen Strecken der U-Bahn, trocknete der Fahrtwind den Regen, erzählt Udo Blankenburger. Bei Mercedes stand er in einer Halle. Nun aber setzt die Feuchtigkeit der Farbe zu, gerade rund um die Türen ist sie schon abgeplatzt. Deswegen plant der Bahnhofsverein seit vergangenem Jahr den Bau eines Schutzdachs. Dafür hat er alte Metallsäulen und Dachträger der Berliner S-Bahn-Station Ostkreuz besorgt (die MAZ berichtete).
Aus ihnen allerdings wieder ein Dach zu machen, kostet Geld. 5000 Euro werden allein für die Baugenehmigung und die statischen Berechnungen dafür fällig. Weitere 5000 würden der Aufbau und die Dachkonstruktion kosten, schätzt Udo Blankenburger. „Für uns ist das schwierig zu machen", sagt der Vereinsvorsitzende. Der Verein lebt von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Sponsoren. Udo Blankenburger hofft auf das Bahnhofsfest am kommenden Wochenende. Dort will der Verein verstärkt um Spenden und Sponsoren werben.

Talkrunden auf dem Bahnhofsgelände
Der Rheinsberger Ehrenbürger Jürgen Graf hatte den U-Bahn-Wagen an den Bahnhofsverein vermittelt. Bis zu seinem Tod 2007 veranstaltete er darin Talkrunden.
Heute vermietet der Verein den Wagen gelegentlich für Feiern. Er achtet aber darauf, dass er nicht beschädigt wird. Dank einer Elektroheizung ist der Wagen auch im Winter nutzbar.
Carsten Schäfer

Ruppiner Anzeiger, 23.8.11
Verein hofft auf Zuschuss für ein Bahnsteigsdach
Beantragte Fördermittel wurden abgelehnt / Historischer Waggon leidet ungeschützt unter Witterungseinflüssen
RHEINSBERG. „Wo gibt es in Brandenburg eine U-Bahn? A: in Cottbus, B: in Frankfurt, C: nirgends oder D: in Rheinsberg? So könnte eine bislang nicht gestellte Frage bei „Wer wird Millionär?" lauten. Falls es sich um die Eine-Million-Euro-Frage handeln würde, dürften Rheinsberger, so er oder sie denn mitspielten, rasch die richtige Antwort finden. Rheinsberg hat tatsächlich eine U-Bahn. Allerdings handelt es sich - genau genommen - um einen einzigen Wagen, Baujahr 1927. Bis 1973 war er auf dem Berliner, später Westberliner Streckennetz unterwegs. Danach nutzte ihn die Mercedes-Welt am Salzufer, ein großes Autohaus, als Ausstellungsstück.
Seit ein paar Jahren steht der Waggon auf dem Gelände des Rheinsberger Bahnhofs. Der inzwischen verstorbene Rheinsberg-Mäzen Jürgen Graf hatte dafür gesorgt, dass das gute Stück in die Prinzenstadt kam. Mehrfach nutzte der frühere Rias-Moderator den Wagen für Talkrunden. Inzwischen kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft (AG) Rheinsberger Bahnhof um den Erhalt des betagten Ausstellungsstücks.
Bereits seit längerer Zeit hat die AG die früheren Träger samt Dachkonstruktion eines Bahnsteigs vom alten Berliner Bahnhof Ostkreuz in Rheinsberg eingelagert. Sie sollen den Schienen-Oldtimer vor Witterungseinflüssen schützen. Denn er leidet unter Schnee, Regen, Hagel und Sturm. Die Farbe blättert ab. Auch der Rost frisst an dem unter freiem Himmel abgestellten Wagen.
Der stellvertretende Vorsitzende der AG, Gottfried Koch, berichtete jetzt, dass ein Fördermittelantrag für die Konstruktion abgelehnt wurde. Die Vereinsmitglieder hatten gehofft, dass es Geld aus dem Leader-Programm gibt. Doch man habe noch nicht aufgegeben, stellte Koch fest. Begründet worden sei die Ablehnung nämlich damit, dass es sich um einen völligen Neubau handelt. Der Verein geht indes davon aus, dass die alte Berliner Substanz in der Prinzenstadt nur neu aufgebaut wird. Das soll nun den zuständigen Potsdamer Ministerien mitgeteilt werden. Vielleicht gebe es dann doch den Zuschuss. Der Verein hat kein Geld übrig, allein die Planungskosten betragen 6000 Euro.
Holger Rudoph

MAZ, 29.8.11
Nostalgie im Schienenbus
Sonderfahrten zum KKW-Werkbahnhof waren der Renner des 13. Rheinsberger Bahnhofsfestes
Plötzlich stand ein alter Eisenbahnwagen in Flammen. Doch zum Glück gehörte das nur zum Showprogramm des Bahnhofsfestes.
RHEINSBERG. Getriebeschaden. Ausgerechnet jetzt, wo der Triebwagen VT 772 aus Neustrelitz fest eingeplant ist - als eine der Hauptattraktionen für das Rheinsberger Bahnhofsfest. Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof brauchte dringend einen Plan B, sollten die geplanten Triebwagentouren vom Rheinsberger Bahnhof ins stillgelegte KKW am Sonntag nicht ins Wasser fallen.
Zum Glück ist dem Vereinsvorsitzenden Udo Blankenburger und seinen Mitstreitern etwas eingefallen. Und so übernahm gestern ein Triebwagen aus Löwenberg, organisiert mit Hilfe der DB Regio, die zehn Kilometer lange Nostalgietour durchs Naturschutzgebiet. Am Sonnabend pendelte wie vorgesehen der Uerdinger Schienenbus VT 95, das westdeutsche Pendant zur Ferkeltaxe, zwischen Rheinsberg und KKW-Werkbahnhof.
Die Fahrten waren ein echter Renner auf dem inzwischen schon 13. Rheinsberger Bahnhofsfest, zu dem an beiden Tagen mehrere hundert Besucher kamen. So hatte es sich Helga Kuras mit ihren Enkeln Jannek (6) und Julian (18 Monate) im Triebwagen bequem gemacht. Die Rheinsbergerin hatte bis 1984 im KKW gearbeitet und war immer mit dem Zug zur Arbeit gefahren. „Damals fuhr noch ein ganzer Zug, in dem morgens und abends einige hundert Leute saßen", erinnert sie sich.
Roland Richter (68) ist extra aus Berlin gekommen, um noch mal eine Fahrt zum KKW zu erleben. Der ehemalige Rheinsberger, dessen Vater Martin Richter ebenfalls im Kernkraftwerk beschäftigt war, hatte 1967/68 als Mess-und Regeltechniker im KKW gearbeitet und war später im KKW Lubmin tätig. Bei der Fahrt anlässlich des Bahnhofsfestes war einiges anders als früher: So musste der Triebwagen vor den Bahnübergängen an den beiden Hauptstraßen kurz halten, damit manuell die Ampeln auf Rot gestellt werden konnten. Der Aufenthalt auf dem verwaisten Werkbahnhof, auf dem die Uhr aber immer noch die genaue Zeit anzeigt, währte nur kurz. Wer einen Spaziergang zum nahen Stechlinsee unternehmen wollte, fuhr eben mit dem nächsten Zug zurück.
Am Bahnhof Rheinsberg wurden die Gäste gut unterhalten. Es gab Blasmusik und Countrymusik. Wer wollte, konnte sich im U-Bahnwagen umsehen oder im Lokschuppen Signaltechnik, Schilder, Uniformen und Arbeitsgeräte der Eisenbahner bestaunen. Und wer das Treiben auf dem Bahnhofsgelände aus der Vogelperspektive betrachten wollte, der konnte das mittels einer Hebebühne. An einem der zahlreichen Verkaufsstände gab es sogar echtes Mitropa-Geschirr und Dienstvorschriften für den Schlafwagenverkehr zu kaufen.
Einer der Höhepunkte war eine Übung der Rheinsberger Feuerwehr. Dafür hatten die Vereinsmitglieder einen Eisenbahnwagen hergerichtet, der in Brand gesteckt wurde. Wenig später konnten die Festbesucher erleben, wie schnell so ein Brand bekämpft sein kann.
Jürgen Rammelt

Ruppiner Anzeiger, 29.8.11
Blickfang Kö und „Roter Brummer
13. Bahnhofsfest in Rheinsberg / Andreas Franke lenkte RB 54-Triebwagen zum KKW-Bahnhof Stechlinsee
RHEINSBERG. Am Wochenende fand das 13. Bahnhofsfest statt. Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof und der Heimatverein Rheinsberger Seenkette hatten zu dem Fest eingeladen.
Das Fest hatte wieder viel zu bieten. Einige Gäste genossen nur die Musikrhythmen, so unter anderem des schwedischen Orchesters Höganäs Musikkar, der Gruppe Country Büffet oder des Nachwuchsblasorchesters der Kreismusikschule.
Den Rheinsberger Siegfried Schneider interessierte mehr. Bereits im vergangenen Jahr sei er mit dem nostalgischen Schienenbus gefahren und habe es sehr genossen, erinnerte sich Schneider. Nun wollte er sich die Fotoausstellung im U-Bahnwagen von 1927 über die historische Stechlinseebahn, die von Gransee nach Neuglobsow führte, anschauen und anschließend die Musik genießen. Er berichtete, dass er gerne Bahn fahre, schon der Umwelt zuliebe. Die Schweiz habe er auch schon bereist - mit der Schweizer Bergbahn.
Andere Gäste besichtigten die Kleinlok Kö aus dem Jahre 1934, traten bei der Fahrrad-Draisine auf einem anderen Gleis kräftig in die Pedale oder besuchten den Lokschuppen, wo Geschichtliches zu den S- und U-Bahnen in Berlin und historischen Eisenbahnkleinteilen zu erfahren war.
Andere Festbesucher waren aus Berlin-Gesundbrunnen mit dem Uerdinger Schienenbus, auch bekannt als „Ferkeltaxe" oder „Roter Brummer", angereist, wie die Fest-Besucherinnen Petra Endruschat und Marianne Senger aus Berlin. Sie hatten von dem Bahnhoffest von der Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange 73 erfahren. Der Verein organisiert regelmäßig Reisen in das Berliner Umland. Die beiden Frauen waren von der Nostalgietour sehr angetan. Besonders begeistert hat sie die wunderbare Aussicht durch die riesigen Panoramafenster des fahrenden Museumsstücks. Später wollten sie bei einer Stadtführung Rheinsberg erkunden und sich die Fahrt mit dem Schienenbus zum KKW-Bahnhof Stechlinsee nicht entgehen lassen.
Diese Fahrten wurden am Sonntag fortgesetzt - wenn auch nicht im ursprünglich geplanten Umfang. Am Montag vergangener Woche hatten die Veranstalter erfahren, dass der eingeplante Triebwagen der Neustrelitzer Hafenbahn nicht einsetzbar sein würde - und sie hatten sich bei der Deutschen Bahn um ungewöhnlichen Ersatz bemüht: Der Zug, der sonst als Regionalbahn (RB) 54 verkehrt, pendelte in der Mittagspause zweimal zum KKW-Bahnhof Stechlinsee. Zur Freude der Bahnenthusiasten stimmte neben dem KKW-Eigner auch die DB Regio am vergangenen Donnerstag zu.
Gefahren wurden die zwei GTW-646-Triebwagen von Andreas Franke, der als Lokführer bei der Prignitzer Eisenbahn nicht nur über die nötige Lizenz, sondern auch über Ortskenntnis verfügt. Mit 40 Kilometer pro Stunde zuckelten die zwei Wagen zum alten KKW.
Antje Fricke und Ingmar Höfgen