Presseartikel 2010
MAZ, 11.8.10
Bahnhofsfest ohne Dampf
Uerdinger Schienenbus fährt zum KKW
RHEINSBERG. Die Besucher des Rheinsberger Bahnhofsfestes müssen in diesem Jahr auf den Dampfzug verzichten. Der ist am Festwochenende, dem 28. und 29. August, woanders unterwegs, sagte Udo Blankenburger von der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof gestern. Bahnnostalgie gibt es allerdings trotzdem: Statt der Dampflok schicken die Berliner Eisenbahnfreunde einen Uerdinger Schienenbus VT 95, das Westpendant zur Ferkeltaxe, auf die Reise in die Prinzenstadt. Dieser Zug wird auch die Schaufahrten zum ehemaligen Kernkraftwerk übernehmen. Der Triebwagen fährt während des Festes einmal in der Stunde, die Hin- und Rückfahrt kostet 5 Euro, Kinder zahlen 3 Euro. Das KKW zeigt einen Unimog, der auch auf Schienen fahren kann.
Das Bahnhofsfest steigt am Sonnabend und Sonntag jeweils zwischen 10.30 Uhr und 17 Uhr. Am Sonnabend, 28. August, wird es vom Musikkorps der schwedischen Territorialstreitkräfte aus Boräs eröffnet. Das 1943 gegründete Musikkorps spielt seit 1976 auch bei den Wachablösungen vor dem königlichen Schloss in Stockholm. Außerdem wird die Rheinsberger Feuerwehr am Sonnabend um 14 Uhr ihre Technik vorstellen, am Sonntag spielt dann um 14 Uhr die Rheinsberger Blaskapelle unter der Leitung von Harry Schmidt. Zudem sind Draisinenfahrten geplant. Neu in diesem Jahr ist, dass auch die ehemalige Kneipe im Bahnhofsgebäude als Ausstellungsraum genutzt wird. Dort zeigt die Fotogruppe des BSW Neuruppin Bilder von S- und U-Bahnen.
Katharina Kastner

Ruppiner Anzeiger, 30.8.10
Mit dem "Roten Brummer" auf den Schienen
Die Prinzenstadt Rheinsberg lud am Wochenende zu ihrem zwölften Bahnhofsfest ein
Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof und der Heimatverein Rheinsberger Seenkette hatten beim zwölften Bahnhofsfest wieder etliche Attraktionen zu bieten - insbesondere an Bahnnostalgie fehlte es nicht.
Schon am Sonnabendvormittag, als die ersten Klänge des Schwedischen Musikkorps der Territorialstreitkräfte erklangen, strömten viele Besucher auf den Bahnhof der Prinzenstadt. Einige besuchten im alten Bahnhofsgebäude den Lokschuppen, wo sie die Fotoausstellung über die Geschichte der S- und U-Bahnen in Berlin, die Ausstellung der DDR-Mopeds aus den Jahren 1955 bis 1990 und unzählige historische Eisenbahnkleinteile besichtigten.
Einige ältere Ehepaare genossen nur die Marschmusik auf dem Bahnhofsgelände bei Bratwurst, Erbseneintopf oder Kaffee und Kuchen. Junge Familien, Großeltern mit ihren Enkelkindern und viele mehr erfreuten sich am Nostalgieambiente des Festes. Sie traten bei der Fahrrad-Draisine auf einem separaten Gleis des Geländes kräftig in die Pedalen oder besichtigten die Kleinlok Kö aus dem Jahre 1934.
Sehr viele Gäste fuhren mit dem Uerdinger Schienenbus zum Bahnhof Stechlinsee. Der Schienenbus ist auch bekannt als "Ferkeltaxe" oder "Roter Brummer". Er beförderte erst die Gäste von Berlin-Gesundbrunnen nach Rheinsberg und anschließend stündlich die Festgäste vom Rheinsberger Bahnhof zum Werkbahnhof Stechlinsee. Unzählige Eisenbahnnostalgiker zückten bei Einfahrt des Triebwagens ihre Kameras.
Vor allem Kinder waren Fahrgäste. Sie lachten und sangen lauthals. So standen einige barfuß auf den Sitzbänken, wie Ronja, Hedda und Leila, die mit ihrer Großmutter Roswitha Kühl vor den riesigen Glasscheiben des Zuges standen und auf die Wälderlandschaft neben den Schienen blickten.
Andere Besucher begaben sich auf die Hebebühne, um das Bahnhofsgewimmel mit Musik und Tanz aus der Höhe zu genießen.
Fricke

MAZ, 30.8.10
Im Schienenbus zum Kernkraftwerk
Ein roter Triebwagen war am Sonnabend die Attraktion des 12. Rheinsberger Bahnhofsfestes
Das Rheinsberger Bahnhofsfest hat auch bei seiner elften Auflage nichts an Attraktivität verloren. Höhepunkt war erneut die Dampflok, die aus Berlin angeschnauft kam.

Hunderte Besucher kamen am Sonnabend und Sonntag auf den Bahnhof Rheinsberg. Von dort ging's weiter in Richtung Stechlinsee.
Der Uerdinger Schienenbus war voll. Fast jede Fahrt war am Sonnabend und Sonntag ausgebucht. Die Touren von Rheinsberg in Richtung Kernkraftwerk waren unbestritten einer der Höhepunkte beim Bahnhofsfest der Prinzenstadt. Trotz des schlechten Wetters kamen Hunderte Besucher am Wochenende auf den Bahnhof. Zum zwölften Mal hatten die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof und der Heimatverein das Fest organisiert.
Ein Anziehungspunkt war die Ausstellung im ehemaligen Lokschuppen. Eisenbahner haben die Schau gestaltet und Hunderte Exponate aus der Geschichte der Bahn zusammengetragen. Bereichert wurde die Ausstellung von Peter Rehberg, der im Lokschuppen zusätzlich sechs seiner restaurierten Zweiradfahrzeuge präsentierte. Neben drei Motorrädern vom Typ RT und ES aus dem Motorradwerk Zschopau waren auch Mopeds dabei, die einst in Suhl vom Band liefen.
Der Uerdinger Schienenbus VT 95 fuhr sechsmal am Tag von Rheinsberg zum Bahnhof Stechlinsee. Auf der 40-minütigen Hin- und Rückfahrt konnten die Fahrgäste die Landschaft rund um den Wittwesee und das einstige Kernkraftwerk genießen und Eisenbahnromantik erleben. Eröffnet wurde das Bahnhofsfest am Sonnabend mit einem Konzert einer schwedischen Blaskapelle. Die "Boras Home Guard Band", ein Orchester der Territorial-Armee, kam bei den Gästen gut an. Die Blasmusiker sind eigentlich gerade beim Wittstocker Orchesterfestival zu Gast. Da nutzten sie die Gelegenheit gleich für einen weiteren Auftritt in Rheinsberg. Für tolle Stimmung sorgte am Nachmittag dann eine Formation aus der Nähe von Lübz mit Country-, Blues- und Skifflemusik. Am Sonntag gab es Musik mit Erik und Markus, die am Nachmittag von der Blaskapelle Rheinsberg abgelöst wurden.
Auf dem Außengelände des Vereins konnten die Besucher sogar selbst mit Hand anlegen. Etwa bei der Arbeit mit einem Schienenbohrer, einer Schienensäge oder einem -schrauber.
Jürgen Rammelt

MAZ, 21.9.10
Passend zum Ambiente
Historische Säulen vom Berliner Ostkreuz werden am Rheinsberger Bahnhof aufgestellt
Eigentlich haben sie nur noch Schrottwert, aber für den Rheinsberger Bahnhofsverein sind es richtige Schätze: die acht gusseisernen Säulen, die mehr als ein Jahrhundert lang ein Bahnsteigdach des Berliner S-Bahnhofes Ostkreuz trugen.

RHEINSBERG. Udo Blankenburger hat den Transport höchst persönlich überwacht. Immerhin war größte Vorsicht geboten, denn altes Gusseisen ist tückisch. Schon bei kleinsten Erschütterungen hätten die schwergewichtigen Säulen bersten können. Aber alles lief reibungslos Die ausgemusterten Dachstützen des traditionsreichen Berliner S-Bahnhofes Ostkreuz sind ohne Transportschäden in Rheinsberg angekommen. Es ist die neueste Errungenschaft des Rheinsberger Bahnhofsvereins. Monatelang hatte dessen Vorsitzender Udo Blankenburger vergeblich nach einer Firma gesucht, die den Transport der tonnenschweren Säulen übernimmt. Erst als er kürzlich bei der Lindower Baufirma Eurovia VBU nachfragte, hat man ihm zugesagt - und Wort gehalten. „Ich bin froh, dass das geklappt hat. Ich hatte schon schlaflose Nächte", sagt Udo Blankenburger. Schließlich hatte die Deutsche Bahn die historischen Dachträger schon ein Jahr lang für die Rheinsberger reserviert und bewacht. Die Säulen des 1882 eröffneten S-Bahnhofes sind herausgerissen worden, weil das Ostkreuz saniert wird. Rund 143 Millionen Euro sind für das Projekt vorgesehen. In Rheinsberg sollen die meterhohen Pfeiler auch künftig ein Dach tragen: Es soll den 1927 gebauten U-Bahn-Waggon schützen, der neben dem Eisenbahnmuseum steht und Wind und Wetter ausgesetzt ist. Die Hülle des gelben Wagens muss dringend restauriert werden. „Aber erst brauchen wir das Dach", sagt Udo Blankenburger, der als Kundenbetreuer im Berliner Nahverkehr arbeitet. Er hofft, dass der Unterstand bis zum Frühjahr fertig wird. „Die historischen Säulen passen dann gut zum Ambiente." Alles, was einen Bahnhof ausmacht, kann man in Rheinsberg noch erleben: das Bahnhofsgebäude, den Lokschuppen, einen Wasserkran für die Dampflok, den alten Kohlebansen, das Stellwerk, die Gleise und Weichen. „Wir pflegen dieses Ensemble. Die meisten Bahnhöfe ringsum sind vergewaltigt worden. Es gibt doch fast nur noch Haltepunkte", kritisiert der Vereinsvorsitzende.

Der Bahnhofsverein
Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e.V. ist 1997 gegründet worden - im Vorfeld des 100-jährigen Bestehens der Bahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg. "Nach dem Jubiläumsfest hat der Verein weitergemacht und mittlerweile das 12. große Bahnhofsfest in Rheinsberg gefeiert. Inzwischen hat der Verein 29 Mitglieder.
Der zum Museum ausgebaute ehemalige Lokschuppen ist dienstags zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.
Katharina Kastner

Ruppiner Anzeiger, 23.12.10
Erste Hilfe für leidenden U-Bahn-Wagen
Acht Säulen vom Bahnhof Berlin-Ostkreuz / Am Sonnabend ist auch das Modell des Castor-Zuges zu sehen
RHEINSBERG. Der Rheinsberger U-Bahn-Waggon leidet. Seit 2006 steht er ungeschützt auf dem Gelände der Arbeitsgemeinschaft (AG) Rheinsberger Bahnhof. Regen, Wind, Schnee, Eis und Kälte schaden ihm. Die AG will das historische Gefährt nun dauerhaft schützen.
Gottfried Koch ist zweiter Vorsitzender der AG. Der Wagen sei schon ein sehr interessantes Stück Zeitgeschichte, sagte der 60-Jährige gestern. Gebaut wurde der große Gelbe im Jahre 1927. Bis 1969 war er auf Westberliner U-Bahn-Strecken unterwegs. Danach nutzte ihn ein großes Berliner Mercedes-Autohaus. Im Hauptgeschäft am Salzufer stand der Waggon. In seinem Inneren wurden sich die Autoverkäufer und künftigen -besitzer handelseinig - oder auch nicht.
Durch die damalige Vermittlung des inzwischen verstorbenen Rheinsberger Ehrenbürgers Jürgen Graf kam der Wagen 2006 nach Rheinsberg. Mercedes verschenkte ihn. Eigentümer ist seitdem die AG. Anfangs moderierte der Journalist Graf Talkrunden im Inneren des Waggons. Gefragt ist die U-Bahn in der Kleinstadt ohne U-Bahn aber noch immer. Oft wollen Besucher des Eisenbahnmuseums sich das Wageninnere ansehen. Dann erzählt Koch oder ein anderes Mitglied der AG, wie alt die Werbetafeln an den Holzwänden sind und weshalb das Berliner U-Bahnnetz des Jahres 1969 an der Wand sich vom heutigen massiv unterscheidet.
Bliebe der Waggon weiterhin ungeschützt, wäre er in ein paar Jahren nur noch Schrott. Die Türen haben die Eisenbahnfreunde schon mal mit Plastikfolien abgedichtet. Doch es ist viel mehr nötig. Ein Geschenk der Deutschen Bahn AG soll nun helfen. Dabei handelt es sich um acht stählerne Säulen aus dem Jahr 1903, die ein Dach des alten Berliner Bahnhofs Ostkreuz trugen. Diese schweren Träger sollen zu beiden Seiten des Bahnwagens montiert werden. Ein Architekturbüro soll ein passendes Dach konstruieren. Alles in allem brauchen die Bahn-Fans etwa 10000 Euro. Bislang konnten sie nur einen recht kleinen Teil davon aufbringen. Mit 1000 Euro will sich das ortsansässige Architekturbüro beteiligen. Vom Kernkraftwerk gibt es die Zusage, den Unterstand mit schwerer Technik für die AG kostenfrei zu montieren. Außerdem hat die AG Lottomittel beantragt, bei der Sparkasse wegen einer Spende nachgefragt und hofft auf eine Förderung aus der Zwei-Euro-Pauschale der Kernstadt. Wer etwas spenden möchte, erfährt mehr im Internet unter www.bahnhof-rheinsberg.de.
Geplant ist auch ein Schutzanstrich des Wagens mit teurer Spezialfarbe, die der ortsansässige Maler Rehberg spendieren will. Die Planung des gesamten Vorhabens kann aber erst beginnen, wenn genug Geld da ist.
Wer sich den Wagen oder das Museum mit seinen vielen historischen Bahn-Details ansehen will, hat dazu am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, sowie am Neujahrstag Gelegenheit. Geöffnet ist an beiden Terminen von 13 bis 17 Uhr. Die AG hat sich erstmals für diese Sonder-Öffnungszeiten entschieden. Eltern und Kinder hätten genug Zeit, sich die Exponate in Ruhe anzusehen, schätzte Koch gestern ein. Nur die beim Bahnhofsfest im Sommer stets so beliebte Draisine kann nicht genutzt werden, denn die Gleise liegen tief verschneit.
Erstmals öffentlich gezeigt wird ein Modell des Rheinsberger Castor-Zuges, dessen großes Original ebenfalls zum Bestand der AG gehört. Das Abbild im Maßstab TT ist ein Geschenk des Kernkraftwerks. Für Modellbahner gibt es den Zug seit kurzem im Fachhandel.
Der Vorruheständler Koch ist noch immer mit Leib und Seele Eisenbahner. Seit der Lehre arbeitete er bei der Bahn, zuletzt als Bezirksleiter Betrieb. Die 30 Mitstreiter in der AG sind 19 bis 76 Jahre alt. Einige sind wie Koch Bahner, doch sie sind auch in ganz anderen Berufen zu Hause. Wer Lust auf eine Mitgliedschaft bekommen hat, erfährt auch dazu mehr an den schon genannten Öffnungstagen des Museums.
Holger Rudolph