Presseartikel 2008
MAZ, 4.3.08
Nostalgie im Lokschuppen
Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof pflegt eine Ausstellung zur alten Eisenbahn
Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof veranstaltet nicht nur jedes Jahr das Bahnhofsfest sondern pflegt und führt im alten Lokschuppen eine Ausstellung rund um Eisenbahn und Bahntechnik.
RHElNSBERG. Ein Hauch von Nostalgie liegt in der Luft im alten Lokschuppen am Rheinsberger Bahnhof. Russische Schienenbohrer, Schweißtöpfe, Schienensägen aus dem 20. Jahrhundert stehen in der alten Bahnhofshalle. Udo Blankenburger öffnet eine kleine Tür und betritt die ehemalige Fahrkartenausgabe. Auf dem original DDR-Schreibtisch stehen Fahrkartenstempler, Fahrtenbuch und Telefone, für die sich auf dem Trödelmarkt wohl ein guter Preis erzielen ließe. Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof hat all diese Schätze aufgehoben, zusammengesucht, aufgemöbelt und eine Ausstellung im alten Lokschuppen etabliert.
Der Verein gründete sich 1997 mit dem Ziel, zwei Jahre später das 100-jährige Bestehen der Bahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg zu feiern. Das Bahnhofsfest war geboren. In diesem Jahr, am letzten Augustwochenende, findet es bereits zum 10. Mal statt. "Wir hoffen, dass wir einen Dampfzug aus Berlin bekommen", sagt Blankenburger. "Voraussetzung dafür ist, dass die Sanierungsarbeiten an den Lindower Brücken abgeschlossen sind, damit der Zug auch nach Rheinsberg rollen kann." Die Vorbereitungen für das Fest sind in vollem Gange. Vereinsmitglied Holger Pfeifer überarbeitet die Schautafeln, die an den weiß gekalkten Wänden des Lokschuppens hängen und die Geschichte des Rheinsberger Bahnhofs dokumentieren. "Bei uns reißt die Arbeit nie ab", sagt Blankenburger und zeigt auf mehrere Arbeitsplätze an der langen Werkbank. "Aus vielen alten Teilen wird wieder ein neues gebaut." Jeden Dienstagnachmittag sind einige der 31 Vereinsmitglieder dort zugange. Der Vereinschef wünscht sich, dass noch viele weitere dazukommen. Rentner beispielsweise, die nicht allein in ihrem Keller basteln wollen, oder ehemalige Eisenbahner - "Wir können jede helfende Hand gebrauchen." Jeden Dienstag stehen die Türen des Lokschuppens für die Bevölkerung offen. Egal, ob ein einzelner Mann kommt oder eine ganze Schulklasse anrückt - die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft führen alle Gäste durch die Ausstellung, erklären jedes Detail. Udo Blankenburger, selbst Kundenbetreuer im Nahverkehr bei der Deutschen Bahn, kennt sich bestens aus. "Ich habe Fahrzeugschlosser gelernt und kann dadurch auch bei den Technikfragen Rede und Antwort stehen." Und natürlich zeigt Udo Blankenburger den Gästen auch den Fahrkartenschalter, den zumindest die älteren Besucher noch in guter Erinnerung haben dürften.
Jeanette Schäfer

Als Zehnjähriger Signale gesetzt
DER GUTE GEIST: Hans Lipowski ist Elektriker und setzt alles unter Strom
RHEINSBERG. Hans Lipowski ist seit acht Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof. Jeden Dienstag steht er im ehemaligen Lokschuppen seinen Mann. Der Elektriker repariert alles, was unter Strom steht, oder mal stehen soll.
Die Liebe zur Eisenbahn kommt nicht von ungefähr. "Ich habe meinem Vater früher regelmäßig das Essen ins Stellwerk gebracht. Er war Fahrdienstleiter in Fretzdorf", erzählt Lipowski. "Ich habe ihm geholfen, die Signalanlagen zu bedienen. Das war mühselig, aber es hat mir viel Spaß gemacht." Warum der Sohn nicht in die Fußstapfen des Vaters trat und ebenfalls Eisenbahner wurde, weiß Hans Lipowski selbst nicht. Er wurde stattdessen Elektriker und arbeitete unter anderem 33 Jahre im Kernkraftwerk Rheinsberg.
Vor acht Jahren war es dann der Sohn seiner Frau Ursula, der ihm die Mitgliedschaft im Eisenbahnverein schmackhaft machte. "Meine Frau teilt meine Liebe zur Eisenbahn", sagt Hans Lipowski augenzwinkernd. Muss sie wohl auch, denn ihr Hans ist jeden Dienstagnachmittag und an vielen Sonnabenden im Lokschuppen zu finden.
Das jüngste große Projekt, das Lipowski abschloss, war die Sanierung des U-Bahnwagons. "Dort mussten alle Stromleitungen neu gelegt werden", sagt der Elektriker. Eine Herausforderung, der sich der Rentner gern und erfolgreich gestellt hat, wie der Druck auf den Lichtschalter beweist.
"Wir sind froh und dankbar über Mitglieder wie Hans Lipowski", sagt Vereinschef Udo Blankenburger. "Viele haben arbeitsbedingt wenig Zeit. Da ist es schön, ein Mitglied wie Hans zu haben, auf das man sich hundertprozentig verlassen kann."


Ruppiner Anzeiger, August 2008
Stählerner Koloss als Pförtner
Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof bereitet sich auf das große Fest vor
RHEINSBERG. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen zum Rheinsberger Bahnhofsfest. Zwei unterhaltsame Tage rund um die Eisenbahn erwarten die Besucher am letzten August-Wochenende.
Gestern sahen sich die Ferienspiel-Kinder vom Haus der Begegnung schon mal einige der neuen Exponate an. Sie bestaunten die 3,8 Tonnen schwere Achse samt Rädern, die von einer Dampflok stammt. Erst seit kurzem steht sie auf dem Gelände der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof (AG).
AG-Vorsitzender Udo Blankenburger ist stolz auf das Schmuckstück, das einige Vereinsmitglieder bereits teilsaniert haben: „Die Achse stand lange Zeit am Wittstocker Bahnhof und war schon stark verrostet." Eine Nachfrage der Lokfans bei der Deutschen Bahn AG ergab, dass diese keinen Wert mehr auf die alte Achse legt. Wer das Museum der Bahnfreunde besucht, wird durch die kolossale Achse an der neuen Zufahrt bestens auf das Thema der Exposition eingestimmt.
Für Sonnabend, 30. August, und Sonntag, 31. August, hofft die AG auf viele Besucher. Jeweils von 10 bis 18 Uhr findet das Fest statt. Modellbahnfans sollen diesmal ganz besonders auf ihre Kosten kommen. Wird doch in den Hallen der einstigen Arzneimittelfabrik Berlin-Chemie gegenüber vom Bahnhof eine mit viel Liebe gestaltete Großanlage des Vereins Remag aus Berlin zu sehen sein. Dieser hat Bahnstrecken auf dem Gebiet des heutigen Kreises Ostprignitz-Ruppin nachempfunden. Besonders sehenswert wird das Ganze, weil die Bahnrouten samt Loks und Waggons im Zustand von vor 100 Jahren präsentiert werden.
Der Verkehrsverein Rheinsberger Seenkette wird wieder mit einem Stand präsent sein, an dem sich Kinder lustig schminken lassen können. Wer den heutigen Sackbahnhof, an dem früher die Strecke nach Flecken Zechlin abzweigte, schon immer mal von oben aufnehmen wollte, erhält dazu Gelegenheit. Mit der Hebebühne können Interessierte 30 Meter in die Höhe fahren, um Bahnhof und Gleise sowie das Museum aus luftiger Höhe zu sehen oder per Foto beziehungsweise Video für spätere Generationen festzuhalten.
Auch der alte Triebwagen, viel besser bekannt als Ferkeltaxe, darf noch einmal einen großen Tag erleben, wenn er zwischen Bahnhof und Kernkraftwerk pendelt. Auch dabei besteht die Möglichkeit, Fotos zu machen. Wem all dies noch nicht genug für einen Besuch ist, der hat vielleicht Interesse an der Übung des Technischen Hilfswerkes am Sonnabend oder der Präsentation der Prinzenstädter Feuerwehr am Sonntag. Dabei wird auch der vor einem halben Jahr in Dienst gestellte Hubretter der Wehr präsentiert.
Holger Rudolph

MAZ, 30.8.08
Keine Dampflok zum Fest trotz der neuen Brücken
Oldtimer ist für die Rheinsberger zu teuer
Eigentlich hätte sie wieder fahren können: Nach mehrjähriger Zwangspause stand der Fahrt der Traditions-Dampflok aus Berlin zum heutigen Bahnhofsfest in Rheinsberg technisch nichts mehr im Wege. Die baufälligen Brücken in Lindow sind in diesem Frühjahr repariert worden und damit stabil genug, um die schweren Achslasten einer 52-er-Dampfloko-motive zu verkraften.
Dass die Dampflok dennoch nicht kommt, liegt am fehlenden Geld.
Anfang der 90er-Jahre fuhr die Dampflok aus Berlin noch an fast jedem Wochenende nach Rheinsberg - erst gratis, später für zwei D-Mark Dampfaufschlag.
Später wurde der Oldtimer nur noch vor Sonderzügen eingesetzt - zu happigen Preisen. Eine Fahrt von Berlin nach Rheinsberg kostet da für eine vierköpfige Familie schnell mal 100 Euro. Denn inzwischen wird die Dampflok nicht mehr von der Bahn betrieben, sondern vom Verein der Berliner Dampflokfreunde - und die müssen die regelmäßig geforderten Hauptuntersuchungen und Instandsetzungen im Ausbesserungswerk Meiningen (Thüringen) selbst bezahlen. Achsen, Druckkessel - das geht schnell in die Hunderttausende.
Heinz Karwath vom Rheinsberger Heimatverein hat deshalb Verständnis für die heutigen Preise. Sein Verein hatte das Geld für die Dampflok in diesem Jahr schon gesammelt, aber dann habe sich die Summe nochmals erhöht, und die Rheinsberger mussten passen.
"Vielleicht gibt es zum Bahnhofsfest im nächsten Jahr wieder eine Dampflok", sagt Heinz Karwath und tröstet: "Immerhin sind heute und morgen Fahrten mit der roten Museums-Ferkeltaxe aus Neustrelitz zum Bahnhof Stechlinsee möglich."
ck

Ruppiner Anzeiger, 1.9.08
Ein Fest auf Schienen
Zehntes Rheinsberger Bahnhofsfest lockte zahlreiche Besucher an
RHEINSBERG. Jeder hat ja seine Hobbys. Manch einer sammelt Briefmarken, andere gehen angeln und einigen schlägt das Herz höher, wenn sie Eisenbahnen sehen. Zu letzteren gehören die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof.
Zum nunmehr zehnten Mal ließen die Freunde des Zugverkehrs jeden der wollte, an ihrer Leidenschaft teilhaben. Am Sonnabend stieg auf der Rheinsberger Station das Bahnhofsfest. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Blick in die Welt der Gleise, Weichen und Lokomotiven zu werfen. Neben allem, was das Herz eines Eisenbahnfreundes höher schlagen lässt, konnten sich die Gäste an zahlreichen Ständen die Zeit vertreiben. Natürlich durften bei so einem Fest auch die Stände nicht fehlen, an denen Sammler ihre Modelleisenbahnen feilboten.
Keine Miniaturen, sondern lebensgroße historische Draisinen hatten die Stendal-Tangermünder Eisenbahn-Freunde mitgebracht. Mit etwas Körpereinsatz konnten die Besucher einige Hundert Meter auf den Gefährten zurücklegen. Wenige Schritte weiter demonstrierten Mitglieder der Rheinsberger Arbeitsgemeinschaft Gleissägen und -bohrer. Ein Knattern vereinte sich mit der Musik, die über dem Gelände schwebte, während das Gerät, das an einem Schienenstrang angebracht war, seine Arbeit verrichtete. Mehr Körpereinsatz verlangte einem der Gleisbohrer ab, mit dem einst die Löcher für die Nieten ins Metall gebohrt wurden. Ehemalige Gleisarbeiter bedienten das Werkzeug über eine Kurbel. "Das ist das russische Fitnessmodell" scherzte Manfred Kienel über das Gerät. Und wie lange dauert es, die Arbeit vollrichtet ist? "Ehrlich gesagt habe ich mir die Mühe noch nicht gemacht", gestand Kienel.
Viele Nummern kleiner ging es gegenüber des Bahnhofs her. In einer Halle waren gleich mehrere Haltestellen untergebracht worden -in Miniatur. Ein historisches Modell der Rheinsberger Station war ebenso detailgetreu aufgebaut worden, wie das der Lindower. Wer den absoluten Überblick über das Fest haben wollte, konnte das Geschehen von einer Hebebühne aus in luftigen 30 Metern Höhe verfolgen. Und wen Triebwagen, Lokomotiven & Co. schlicht nicht interessierten, der konnte es sich immer noch bei Musik, Speise und Getränken gut gehen lassen. So war für jeden etwas dabei.
Brian Kehnscherper

MAZ, 1.9.08
Zum Fest gab's eine neue Mütze
Hunderte Besucher haben beim Bahnhofsfest die Rheinsberger Eisenbahngeschichte erkundet
RHEINSBERG. Auf das neue Ausstellungsstück ist Udo Blankenburger besonders stolz. Viele Besuchet werden es im Gewirr der vielen Eisenbahnutensilien vielleicht gar nicht entdecken. Tausende Objekte haben die Rheinsberger Eisenbahnfreunde für ihr Museum bereits zusammengetragen, beim Bahnhofsfest am Wochenende konnten die Besucher eine der größten Kleinteileausstellungen in ganz Deutschland bewundern, davon ist der Rheinsberger Vereinschef Udo Blankenburger überzeugt.
Die neueste Errungenschaft ist eine Eisenbahnermütze der schwedischen Staatsbahn. Freunde haben sie aus Rheinsbergs Partnerstadt Mariestad mitgebracht und dem Verein beim Bahnhofsfest am Sonnabend überreicht. Udo Blankenburger deponierte die Kopfbedeckung gleich mit ihren güldenen Verzierungen sicher in einer Glasvitrine, dort, wo auch die anderen Eisenbahnermützen ihren Platz haben. Bereits zum 13. Mal zeigen die Eisenbahnfreunde der Prinzenstadt an diesem Wochenende, was sie zum Thema Eisenbahn zusammengetragen, restauriert und für eine Ausstellung am vergangenen Wochenende vorbereitet haben. Unterstützung gab es von etlichen anderen Vereinen. Der Original-Triebwagen der Hafenbahn Neustrelitz lud zu Sonderfahrten zum Bahnhof Stechlinsee ein und auch Fahrten mit der Draisine waren für die Besucher des Bahnhofsfestes im Angebot. Siegfried Adomeit aus Neuruppin half Gästen unterdessen durch das Gewirr der Gleisbaumaschinen, Schilder, Schienenteile und Werkzeuge im ehemaligen Lokschuppen.
Feuerwehr und Technisches Hilfswerk nutzen das Fest für eine Übung. Am Sonnabend ließen sie es krachen: Am Bahnübergang kollidierte ein Auto mit einem Zug - kontrolliert. Mit schwerer Technik rückten die Helfer an, um die Insassen zu befreien.
Wem das zu real war, der konnte sich an die Ruppiner Eisenbahn- und Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft halten, die ihren Sitz in Berlin hat. Auf dem Gelände der ehemaligen Carmolfabrik hatten die Eisenbahnfans in mühseliger Kleinarbeit von Löwenberg nach Rheinsberg in allen Details im Modellmaßstab 1:87 der Spurweite HO nachgebaut. Mehrere Jahre haben die neun Vereinsmitglieder dafür gebraucht.
eb/gru