Presseartikel 2007
MAZ, 4.9.07
Nostalgie im Lokschuppen
Beim 9. Rheinsberger Bahnhofsfest kamen am Wochenende wieder viele Besucher in Fahrt
RHEINSBERG. Eisenbahnfahren ist schon eine feine Sache. Man kann Hunderte von Kilometern zurücklegen, ohne einen Schritt zu gehen und dabei kann man noch in aller Ruhe die Landschaft betrachten.
Den Liebhabern von Schienenfahrzeugen, die sich am Wochenende in Rheinsberg trafen, ist diese Tatsache aber ziemlich egal. Sie hatten es eher auf schmierige Eisenteile, alte Schilder und nostalgische Signalanlagen abgesehen. Und so ist es schon verständlich, dass die Augen vieler Besucher beim Betreten des alten Lokschuppens am Rheinsberger Bahnhof zu leuchten begannen.
Am vergangenen Wochenende luden die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof und der Heimatverein Rheinsberger Seenkette zum 9. Bahnhofsfest ein. Zwei Tage hatten die Fans alter Technik Gelegenheit, Brems- und Reglerventile, Druckluftprüfer, Schienenbohrgeräte und viele andere interessante Geräte in Augenschein zu nehmen.
Holger Pfeifer und Gottfried Koch von der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof sparten nicht mit Informationen. Jeder interessiert dreinblickende Besucher wurde augenblicklich aufgespürt und in die Geheimnisse der Eisenbahngeschichte eingeweiht.
Wer die Ausgangstür erreichte, war um viele Informationen reicher und wusste wie ein Schienenkopfschleifgerät funktioniert. Dass die alten Bahntoiletten über eine Geruchsdichtung und zwei Brillen verfügten und wie das Außenläutewerk betätigt wird, war ebenfalls zu erfahren. Vor dem Lokschuppen konnten die Besucher selbst Hand anlegen, Löcher in das Eisen bohren oder die Schienensäge betätigen. Während die Väter mit Begeisterung dabei waren, hielt sich das Interesse ihrer Söhne eher in Grenzen.
1999 wurde die Eisenbahnausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Strecke Löwenberg - Rheinsberg aufgebaut und seitdem wurde die Sammlung ständig erweitert. Es gab aber auch Gelegenheiten, die Eisenbahn selbst als Transportmittel zu nutzen. Der Verein Hafenbahn Neustrelitz fuhr mit seinem knallroten Triebwagen der Baureihe 772 zum Werkbahnhof Stechlinsee.
So bestand auch in diesem Jahr noch einmal die Möglichkeit, die Strecke zum stillgelegten Kernkraftwerk kennen zu lernen. Wer sich lieber auf eigene Muskelkraft verlassen wollte, der konnte per Draisine das Gelände erkunden. Nicht mehr fahrtüchtig, aber dennoch interessant, war der Berliner U-Bahnwagen aus dem Jahr 1927.
Im Gebäude der ehemaligen Berlin-Chemie waren Günter Leupolt und Reiner Heiniken aus Templin mit ihrer Gartenbahnanlage zu Gast. Vor 20 Jahren hatte Reiner Heiniken mit dem Bau von Wagen, Loks und Schienen begonnen. Für seine erste Lok verwendete er einen Scheibenwischermotor vom Trabant.
Dieser musste natürlich zwischen die Antriebsräder der Lok passen - die „Templiner Spur" mit einer Spurweite von 82 Millimeter war geboren. Für die Enkelkinder baute der Eisenbahnliebhaber die Lokomotive Emma nach, die mit Lukas durch die Landschaften der Augsburger Puppenkiste schnaubte. Die drei Anhänger tragen die Namen der Enkelkinder: Luca, Anna und Lukas. Günter Leupolt hat sich vor einigen Jahren anstecken lassen von einer Sucht, die nicht mehr heilbar ist.
Die Ehefrauen der beiden Männer sind nicht gerade glücklich über das zeitaufwändige Hobby ihrer Männer, aber Reiner Heiniken hat inzwischen eine Lösung für sein Eheglück gefunden, er hat eine Klingelanlage im Bastelkeller installiert. Wenn seine Frau ihn braucht, ertönt im Keller ein Signal.
Seine Gartenbahn können Interessierte den ganzen Sommer über im Templiner Garten bewundern, die Bahnanlage ist wetterfest. Die Schwellen sägt der Bastler aus Hartholz, die Gleise sind aus Messingblech gefertigt. "Als Vorbilder verwenden wir oft auch H0-Eisenbahnmodelle. Die Maße brauchen wir nur mit 5 multiplizieren", erzählt Günter Leupolt. Während die beiden Hobbyeisenbahner von ihrer Leidenschaft berichten, drehen die Loks und Wagons ihre Kreise, kleine Pannen werden schnell wieder behoben. Bisher hatte Reiner Heineken nur dreiachsige Loks gebaut. Im letzten Jahr waren wir in Kühlungsborn an der Ostseeküste und sind mit der Schmalspurbahn "Molli" gefahren. Das war für mich die Anregung, es auch einmal mit fünf Achsen zu probieren." Nicht immer stehen die beiden Männer im Bastelraum, ab und zu fahren sie gemeinsam zu einem Modelleisenbahntreffen oder schreiben Artikel für die "Gartenbahn".
Cornelia Felsch

MAZ, 26.6.07
Viele Gründe zum Feiern
Bahnhofsverein besteht zehn Jahre
RHEINSBERG. Udo Blankenburger hätte nicht gedacht, wie schnell die Zeit vergehen kann. Trotzdem hat sich der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Rheinsberger Bahnhof" gefreut, wie viele Gäste am Sonntag zum zehnjährigen Bestehen des Vereins gekommen waren. Neben Bürgermeister Manfred Richter konnte Blankenburger den Rheinsberger Ehrenbürger Jürgen Graf, zahlreiche Mitglieder von befreundeten Vereinen sowie weitere Förderer begrüßen. Die kleine Feier fand auf dem Platz neben dem U-Bahn-Wagen statt, den die Rheinsberger Dank der Unterstützung von Jürgen Graf von der Mercedes-Niederlassung Berlin geschenkt bekommen hatten.
In seiner Festansprache ging der Vorsitzende auf die wechselvolle Geschichte des Vereins ein, der inzwischen über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit erlangt hat. "Als wir vor zehn Jahren die Gründungsveranstaltung abhielten, wusste eigentlich noch niemand, wo uns der Weg hinführen wird", sagte Blankenburger. Dabei erinnerte der Rheinsberger Eisenbahner an Christian Carstens und Volkmar Hilbert, denen die Initiative für die Vereinsgründung zu verdanken sei.
Als Ziel hatten sich die Eisenbahner vor allem die Erhaltung der Bahnstrecke Löwenberg-Rheinsberg gestellt, deren 100-iähriges Bestehen unmittelbar bevorstand. Aber auch den Bahnhof, der mit seinem Lokschuppen, Wasserkran, Stellwerk, Kohlebunker und Bahnhofsgebäude ein tolles Ensemble bildete, galt es zu erhalten.
Dies ist dem Verein im Wesentlichen gelungen. Heute kann die Arbeitsgemeinschaft, der nicht nur Eisenbahner angehören, eine erfolgreiche Bilanz vorweisen. So wird am 1. und 2. September 2007 das bereits 9. Bahnhofsfest ausgerichtet, das jedes Jahr einige hundert Eisenbahnfreunde nach Rheinsberg lockt.
Aber auch die Sammlung des Vereins kann sich sehen lassen. Kontinuierlich wurden seit 1997 Eisenbahngeräte und -fahrzeuge angeschafft und restauriert. Zu den Prunkstücken gehört neben einer Kleinlok, der Castortransportwagen, aber auch ein Schienenkleinfahrzeug sowie Werkstatt- und Bauwagen.
Doch damit nicht genug: In beharrlichen Verhandlungen mit Vertretern der Bahn ist es gelungen, wesentliche Teile des Bahnhofs, wozu auch Gleisanlagen gehören, zu erwerben. Selbst mit Bahnchef Hartmut Mehdorn haben die Rheinsberger verhandelt, um Teile des Bahnhofes erwerben zu können. Udo Blankenburger nutzte am Sonntag die Gelegenheit, um allen Beteiligten Dank zu sagen. Für die besondere Unterstützung wurde Michael Schönherr, der Leiter des Rheinsberger Kernkraftwerkes, als Ehrenmitglied in den Verein aufgenommen.
Jürgen Rammelt

MAZ, 13.2.07
Versammlung im U-Bahn-Wagen
Das Messing blinkt wieder
RHEINSBERG. Auf dem Gelände der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof steht seit September letzten Jahres ein 80 Jahre alter, ausgedienter U-Bahn-Wagen aus Berlin.
In den letzten Monaten steckten die Vereinsmitglieder viele Arbeitsstunden in ihr Nostalgiegefährt. Sie beseitigten außen grobe Schaden und installierten im Inneren neue Elektrik, um die Lampen und Heizungen mit Strom zu versorgen. Alle Messingteile strahlen wieder im alten Glanz.
Am 9. Februar hielt der Verein seine erste Mitgliederversammlung im alten U-Bahn-Wagen ab. Der Vorsitzende Udo Blankenburger gab einen Rückblick auf das Jahr 2006. Kassenwart Bert Fetzer legte den Finanzbericht vor.
Zehn Jahre alt wird die Arbeitsgemeinschaft in diesem Jahr. Im Juni ist eine kleine Jubiläumsfeier mit den langjährigen Förderern und Helfern der AG geplant. Am 1. und 2. September veranstaltet der Verein das Rheinsberger Bahnhofsfest. Höhepunkt soll eine Gartenbahnausstellung sein. Dort werden selbst gebastelte Eisenbahnen gezeigt, die zu den größten Modellbautypen gehören. Außerdem wollen die Technikfreunde einen Flohmarkt organisieren, bei dem jeder gegen eine kleine Standgebühr neue und alte Sachen verkaufen kann. Wer weitere Anregungen für das Fest hat, kann sich beim Vereinsvorsitzenden Udo Blankenburger melden: Tel 033931 /37017. Dienstags trifft man die Arbeitsgemeinschaft ab 14 Uhr auf dem Bahnhofsgelände in Rheinsberg an.
Unbekannte Täter stahlen vor wenigen Tagen mehrere Weichenköpfe vom Vereinsgelände. Einige Stücke hätten bereits historischen Wert und seien kaum wiederbeschaffbar, so Brandenburger.
Auch über die Verbesserung der Eisenbahnverbindung nach Rheinsberg diskutierten die Mitglieder. Sie bedauerten, dass sich nur wenige Rheinsberger für den Erhalt der Strecke stark machten. Von einigen großen Tourismusbetrieben hatten sie sich mehr Unterstützung erhofft.
Uta Bartsch