Presseartikel 2005
MAZ, 23.8.05
Im Blaumann zum Lokschuppen
Das MAZ-Porträt: die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e.V.
RHEINSBERG. Am 18. Mai 1899 um 7.27 Uhr fuhr der erste Zug vom Rheinsberger Bahnhof ab. Das 100-jährige Jubiläum des Anschlusses der Kronprinzenstadt an die Löwenberger Eisenbahnstrecke vor sechs Jahren blieb nicht ungefeiert. 1997 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e.V., um den Streckengeburtstag vorzubereiten.
Heute sind die Bahnhofsfeste ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Längst schon geht es nicht mehr nur um Feste und Feierlichkeiten, sondern um das Erhalten historischer Eisenbahntechnik und Bahnhofsgeschichte. "Regelrecht vergewaltigt werden die alten Bahnhöfe heute", so Vereinschef Udo Blankenburger. "Wir sind in der Region die Letzten, die noch einen richtig kompletten Bahnhof mit Bahnhofsgebäude, Lokschuppen, Weichen, Stellwerk, Wasserkran, Gleisen und Nebengebäuden haben."
Im Lokschuppen - dem Domizil des Bahnhofsvereins - klebt dicker Ruß an der Decke, es riecht nach Schmieröl und schwerer Technik, eine Motorsäge aus den 30er Jahren kämpft sich minutenlang durch einen Schienenstrang. An alten Werkbänken, die sich an den Wänden aneinander reihen, arbeiten die Vereinsmitglieder historische Eisenbahntechnik auf: Bohrmaschinen mit Riemengetriebe von 1910, Schienensägen mit Hand- und Motorbetrieb, Handschwellenbohrer, Schienenschleifgeräte und vieles mehr. Alles funktioniert. Wer dienstags zwischen 15 und 18 Uhr im Lokschuppen am Bahnhof vorbeischaut, kann bei der Arbeit zuschauen und sich durch das lebendige technische Museum führen lassen. Ein Schienenkleinwagen mit Kran erhält gerade den letzten gelben Anstrich für das bevorstehende Bahnhofsfest. Zum Schrottpreis hat der Verein das Baufahrzeug gekauft. Bis zu acht Eisenbahner fuhren damit zu ihren Einsatzorten.
In Arbeit ist ein Flachwagen, der Schwellen und Schienen beförderte. Auch Schlafwagen für die Bauzugleute hat sich der Verein sichern können. Vier Betten, ein Kühlschrank, ein Herd - so nahmen einst die Bahnarbeiter ihr Lager von einem Streckenabschnitt zum anderen mit. Eine aus den 30er Jahren stammende Rangierlokomotive der Firma Ohrenstein und Koppel machte der Verein ebenfalls flott. Mit dem Rheinsberger Castor-Waggon besitzt er ein Unikat der Bahngeschichte. Alte Signale, Schilder, Schranken, selbst die guten Pappfahrkarten gehören zur Sammlung. Die technisch weniger versierten Vereinsmitglieder kümmern sich um die Gebäude und Außenanlagen, um die Geschichte der Bahn und deren Präsentation.
Uta Bartsch

Ruppiner Anzeiger, 29.8.05
Eine Spritztour mit der Renndraisine
Siebtes Rheinsberger Bahnhofsfest lockte viele Besucher
RHEINSBERG. Wer an so sonnigen Tagen wie am Wochenende einen Ausflug mit der ganzen Familie unternehmen wollte, brauchte nicht lange zu suchen. Auf dem siebten Rheinsberger Bahnhofsfest wurde für Alt und Jung Interessantes, Sehenswertes und vor allem aber viel Spaß geboten.
Bereits gegen 10 Uhr Vormittags begann am Sonnabend das bunte Treiben auf dem Bahnhofsplatz. Zahlreiche Stände wurden aufgebaut und die 37 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof werkelten emsig.
In einer Ausstellung konnten sich die Gäste von verschiedenen Modellen wie zum Beispiel der Gleissperrsignale bis hin zu einer, vom Verein restaurierten, Motorschienensäge aus dem Jahre 1900 alles ansehen. Der Verein, der sich 1997 gegründet hatte, engagiert sich sehr für die Wiederherstellung und Restaurierung alter Geräte und Fahrzeuge.
Besonders stolz sind die Mitglieder des Rheinsberger Bahnhofsvereins auf einen Castortransportwagen. "Wir haben den Wagen in Zusammenarbeit mit dem Kernkraftwerk aus Paderborn zurückgeholt, denn dort sollte er verschrottet werden", erzählte Udo Blankenburger. Daneben gab es weitere schwere Maschinen zu bewundern, zum Beispiel die Kleinlokomotive vom Typ Kö aus den 30er Jahren.
Für die Kleinen war ein Puppenspieler vor Ort, und auch der Heimatverein bot viele Spiele an. Für das leibliche Wohl wurde mit Kaffee, Kuchen, Deftigem vom Grill und einer Gulaschkanone gesorgt. Die Musiker Markus & Erik spielten Evergreens und Oldies wie "Ein Bett im Kornfeld" von Jürgen Drews und "Willenlos" von Marius Müller Westernhagen.
Ein kleines Highlight des Festes wurde in den Räumen der Firma Berlinchemie gezeigt. Dort hatte die Mitglieder der Ruppiner Eisenbahn Modellarbeitsgemeinschaft zahlreiche regionale Strecken der Ruppiner Eisenbahn nachgebaut.
Wer die Strecke im Original testen wollte, konnte zwischen zwei Draisinen wählen. Die Fahrraddraisine und die so genannte "Renndraisine", entworfen und erbaut von Dietger Spielhagen, luden zu einer kleinen Spritztour auf Schienen ein.
Die vereinseigene Tombola hielt viele Preise von zahlreichen Sponsoren bereit. "Wir sind ein Zahnrad im Kulturgetriebe unserer Stadt", beschrieb Blankenburger die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof, die zusammen mit dem Verkehrsvereins-Vorsitzenden Heinz Karwarth das siebte Bahnhofsfest zu einem vollen Erfolg werden ließ.
Anke Schulz

MAZ, 29.8.05
Im Fahrtwind über die Schienen gerudert
Modellausstellung und Draisinentour - beim Bahnhofsfest hatten Eisenbahnliebhaber und Abenteurer Spaß
RHEINSBERG. Nicht nur für Eisenbahnfans war das Bahnhofsfest in Rheinsberg ein Erlebnis. Auch Abenteurer sammelten am vergangenen Wochenende ihre Erfahrungen. Unter ihnen war Familie Schultka. Sie suchte wie viele andere Besucher den Geschwindigkeitskick auf der Draisine. Zusammen mit der achtjährigen Tochter Nele und dem fünfjährigen Sohn Tim probierten Schultkas sich auf die Fahrrad-Draisine aus. Damit entschied sich die Familie, die jedes Jahr zum Bahnhofsfest kommt, für die eher konventionelle Variante des personenbetriebenen Schienenfahrzeugs. Wer jedoch ein ganz besonderes Abenteuer wagen wollte, setzte sich in die Renndraisine von Dietger Spielhagen. Seit mehreren Jahren baut der promovierte Ingenieur an dem Fahrzeug, dessen Antrieb auf der Ruderbewegung basiert. "Ich konnte das Ding schon mal auf 40 Kilometer pro Stunde bringen", sagte Erfinder Spielhagen stolz. Ganz so schnell düste er mit seinem Sechssitzer am Wochenende jedoch nicht über die Gleise.
Sehr viel geruhsamer tuckerte die Modelleisenbahn im Gebäude der ehemaligen Berlin-Chemie im Kreis. Die Neuruppiner Modellbahnarbeitsgemeinschaft zeigte ihr Schmuckstück: Die Strecke von Linde über Herzberg und Lindow bis nach Rheinsberg wurde von den passionierten Bahnliebhabern im Maßstab 1:87 nachgebaut. "Hier steckt unser ganzes Herzblut drin, denn wir haben alle Bahnhofsgebäude selbst konstruiert", sagte der zufriedene Chef-Modellbauer Kay-Uwe Richter.
Bester Stimmung war auch Udo Blankenburger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof. Der hatte zusammen mit dem Rheinsberger Heimat- und Verkehrsverein das gelungene Fest organisiert. Die Ankunft der Dampflok am Sonntag war für den Veranstalter ein Höhepunkt. Den Besuchern legte Blankenburger eine Fahrt auf dem Führerstand ans Herz: "Das muss jeder mal machen. Wer weiß, wie lang die Dinger noch fahren."
Juliane Käppel

MAZ, 13.12.05
Den halben Bahnhof gekauft
Rheinsberger Verein hat jetzt Planungssicherheit
RHEINSBERG. Für Udo Blankenburger und Holger Pfeifer von der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof war der gestrige Tag etwas ganz Besonderes: Am Vormittag konnten die beiden gleichberechtigten Vereinsvorsitzenden den Kaufvertrag für den ehemaligen Lokschuppen und Teile des Rheinsberger Bahnhofes beim Neuruppiner Notar Bodo Bartsch unterschreiben.
"Um auf dem Gelände investieren zu können, brauchen wir Planungssicherheit", erläuterte gestern Udo Blankenburger. Deshalb hat der Verein seit vielen Jahren mit den unterschiedlichsten Leuten verhandelt, um den von der Bahn nicht mehr benötigten Teil kaufen zu können.
"Die Verhandlungen gestalteten sich teilweise schwierig. Natürlich war uns klar, dass die Bahn Geld sehen will", sagt Blankenburger. Demgegenüber stand, dass der Verein natürlich nicht über unbegrenzte Mittel verfügt. Entgegen kam deshalb den Rheinsbergern, dass anlässlich des Bahnhofsfestes im Jahr 2000 Bahnchef Hartmut Mehdorn in Rheinsberg vorbeischaute.
"Das brachte uns bei den Verhandlungen den Durchbruch", meint Blankenburger. "Ab diesem Zeitpunkt gab es immer wieder Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen, um sich über einen machbaren Kaufpreis zu einigen."
Was der Verein jetzt an die Bahn zahlen muss, darüber sei Stillschweigen vereinbart. Blankenburger machte jedoch deutlich, dass der Kaufpreis weit unter dem Betrag liegt, den die Bahn einst haben wollte. "Wir können mit der Summe gut leben", freuten sich gestern Holger Pfeifer und Udo Blankenburger.
Die beiden Vorsitzenden ließen nicht unerwähnt, dass der Verein besonders dem verstorbenen Rheinsberger Kommunalpolitiker Christian Carstens als auch dem Ehrenbürger der Stadt Jürgen Graf viel zu verdanken habe. Beide hätten den Verein mit Rat und Tat unterstützt. Nur so war es möglich gewesen, Euro für Euro zu sparen, sodass für den jetzigen Kauf nicht mal ein Kredit aufgenommen werden muss. Ihren Anteil am Kauf hätten aber auch die 37 Vereinsmitglieder geleistet. So habe der Reinerlös der jährlichen Bahnhofsfeste dazu beigetragen, ein erkleckliches Sümmchen zusammenzukriegen.
Mit dem Kauf des Lokschuppens, des Kohlenbunkers und der durch die Bahn nicht mehr benötigten Nebengleise will der Verein ein Stück Rheinsberger Bahnhofsgeschichte erhalten. Bereits bis heute haben die Mitglieder, die nicht nur aus Rheinsberg kommen, ein beachtliches Sammelsurium von Bahntechnik vor der Verschrottung gerettet. Die Palette der Ausstellungsgegenstände reicht vom ausgedienten Werkstattwagen über eine Rangierlok, verschiedene Signale und Schilder bis zu Scheinwerfern und Bahnlampen sowie Arbeitsgeräten für den Gleisbau.
Interessierte haben jeden Dienstag von 15 bis 18 Uhr sowie an besonderen Tagen, wie dem alljährlichen Bahnhofsfest, Gelegenheit, sich über die Arbeit des Vereins zu informieren. So wird auch am kommenden Sonntag, wenn die Rheinsberger wieder ihre Berliner Freunde mit der Dampflok erwarten, der Lokschuppen weit geöffnet sein.
Jürgen Rammelt

Märker, 17.12.05
Rheinsberg: Lokschuppenkauf perfekt
Das große Ziel fast erreicht
Schon seit Jahren will die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e.V. (AG) den Lokschuppen auf dem Bahnhofsgelände kaufen. Auch an etwa der Hälfte der Gleisanlagen ist sie interessiert. In Kürze soll der Vertrag mit Deutsche Bahn-Immobilien unterzeichnet werden. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Udo Blankenburger, freut sich sehr: "Wir werden dann endlich Planungssicherheit für unseren Verein haben." Den alten Lokschuppen hat die AG zum Eisenbahnmuseum entwickelt. Zu sehen sind dort neben betagten Loks auch Wagen, ebenso Teile von Stellwerken, Signaleinrichtungen und vieles andere mehr. Zeit, Engagement und Mühe investierten die Bahnfans. Bei alledem war ungewiss, ob der nur gepachtete Schuppen dauerhaft genutzt werden kann. Die Preis Vorstellungen der Deutschen Bahn-AG waren zunächst derart hoch, dass die bisher ganz ohne Fördergelder arbeitenden Bahnfreunde keine Chance sahen, das Gebäude und die dazugehörigen Gleisanlagen jemals erwerben zu können. Blankenburger geht nun davon aus: „Wir haben endlich ein Angebot erhalten, das uns zusagt." Er geht davon aus, dass ein Besuch von Bahnchef Hartmut Mehdorn beim Verein im Jahr 2000 mit ziemlicher Verspätung nun doch noch zur ansprechenden Offerte führt. Kaufen wird die AG außer dem Lokschuppen den nördlichen Teil der Gleisanlagen. Der südliche, noch für den Zugverkehr genutzte Teil bleibt im Besitz der Bahn. Am eigentlichen Bahnhofsgebäude hat der Verein kein Interesse. Die Bahn-AG bemüht sich bereits seit einigen Jahren, es zu verkaufen. Zwischenzeitlich hatte es bereits einen neuen Eigentümer gegeben, der aber in Insolvenz ging. Neues Ziel der Bahn-Immobilientochter ist es, für den typischen Kleinstadtbahnhof 2006 einen Käufer zu finden. Das Gebäude kann auch zweckentfremdet, zum Beispiel als Wohnung, genutzt werden. Die Rheinsberger AG will sich nach dem Kauf von Schuppen und Gleisen um Fördermittel bemühen. So könnte das Museum womöglich deutlich erweitert werden. Die Chancen, öffentliche Mittel zu erhalten, erhöhen sich nach Ansicht von Blankenburger mit dem Kauf deutlich. Doch müsse zunächst noch beraten werden, ob die Mitglieder das wollen. Am Sonnabend wird der als „Der Rheinsberger" bekannte Ausflugszug von und nach Berlin-Lichtenberg mit einer Dampflok bespannt. Der Zug fährt in Berlin-Lichtenberg bereits um 7.35 Uhr statt um 7.57 Uhr ab und erreicht Rheinsberg voraussichtlich um 9.32 Uhr. Zurück geht es vom Rheinsberger Bahnhof aus um 17.18 Uhr. Der Zug kommt im Zielbahnhof erst um 19.47 Uhr statt um 18.59 Uhr an. Finanziert wurde die Fahrt - wie schon oft - durch die Berliner Dampflokfreunde. Die AG lädt an jenem Sonnabend alle Interessierten ein, ihr Eisenbahnmuseum im Lokschuppen auf dem Bahnhofsgelände zu besichtigen. Es ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet.