Presseartikel 2003
MAZ (Ruppiner Tageblatt), 26.8.03
Fünftes Bahnhofsfest
105 Jahre Eisenbahn von Löwenberg nach Rheinsberg
RHEINSBERG. Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag können die Besucher Eisenbahnnostalgie pur erleben. Gemeinsam mit dem Heimatverein "Rheinsberger Seenkette" veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof das fünfte Bahnhofsfest. Und da die Nebenbahn von Löwenberg in die Prinzenstadt 105 Jahre besteht, nimmt der Verein dieses Ereignis zum Anlass, um auch dieses Jubiläum zünftig zu feiern.
Udo Blankenburger, der Vereinsvorsitzende, hofft, dass es bis zum Wochenende noch etwas regnet, damit wie bereits in anderen Jahren die Berliner Dampflok mit der Nummer 52 8177 nach Rheinsberg kommen kann. "Wenn die hohe Waldbrandgefahr, die im Moment herrscht, bestehen bleibt, wird die Lok vemutlich nicht zum Einsatz kommen", bangt der Hauptorganisator, der in dieser Woche extra Urlaub genommen hat.
Aber das Bahnhofsfest hat an dem Wochenende noch mehr zu bieten: An beiden Tagen verkehren eine Motor- und eine Hebeldraisine auf den Gleisen des Bahnhofs. Auch die beliebten Fahrten auf der zehn Kilometer langen Anschlussbahn zum stillgelegten Kernkraftwerk werden wieder angeboten. In diesem Jahr übernimmt ein Vierachsiger Großraumdieseltriebwagen der Prignitzer Eisenbahngesellschaft die Fahrt zum KKW. Am Sonnabend um 13.10 Uhr besteht außerdem die Möglichkeit zu einer Fahrt mit einer so genannten Ferkeltaxe, die in ihrer roten Originalfarbe besonders für Fotografen interessant sein dürfte.
Für die Freunde der Miniatureisenbahnen gibt es eine dampfgetriebene Minibahn zum mitfahren. Und wer es noch kleiner mag, der kommt in der Modelleisenbahnausstellung in der Halle der ehemaligen Berlin-Chemie sicher auf seine Kosten. Dort werden erstmalig neben verschiedenen Eisenbahnlandschaften auch Schiffsmodelle zu sehen sein.
Auch im ehemaligen Lokschuppen und auf dem Freigelände gibt es einige Neuheiten zu bestaunen. So verfügt der Verein seit einigen Tagen über ein originales Ausfahrtssignal und im ehemaligen Lokschuppen kann man außer diverser alter Technik sehen, wie eine Modellanlage entsteht. Umfangreiches Material zur Historie der Eisenbahn können die Besucher auf einer neuen CD-ROM mit nach Hause nehmen, die von der Arbeitsgemeinschaft entwickelt wurde. "Es gibt eine Tombola und auch für das leibliche Wohl der Besucher ist ausreichend gesorgt", versichert Udo Blankenburger.
Jürgen Rammelt

Wochenspiegel, 27.8.03
5. Bahnhofsfest in Rheinsberg
Eisenbahnnostalgie am kommenden Wochenende
Rheinsberg (hp). Bald gibt es wieder eine Gelegenheit, Eisenbahnnostalgie zu erleben. Am 30. und 31. August 2003 veranstalten die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof und der Heimatverein Rheinsberger Seenkette e.V. das "5. Bahnhofsfest" in Rheinsberg. Die Nebenbahn dorthin besteht nun schon 105 Jahre - ein Anlass, den dieVeranstalter mit viel historischer Technik feiern wollen. Als Partner wurden die "Berliner Dampflokfreunde" gewonnen, deren Lok mit der Nummer 52 8177 zum Einsatz kommt. Den Wagenpark stellt die Deutsche Bahn zur Verfügung, denn der Zug fährt im Fahrplan der täglichen Verbindung von Berlin-Lichtenberg. Los geht es am Sonntag um 8.05 Uhr in Lichtenberg, weiter über Oranienburg, Löwenberg, Lindow, bevor die Fahrt um 9.45 Uhr in Rheinsberg endet. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn macht es möglich, dass der Dampfzug mit den normalen Fahrscheinen benutzt werden kann.
Aber das Bahnhofsfest hat noch mehr zu bieten: an beiden Tagen des Wochenendes verkehren eine Motor- und eine Hebeldraisine auf den Gleisen des Bahnhofs. Auch die beliebten Fahrten auf der 10 km langen Anschlussbahn zum stillgelegten Kernkraftwerk finden wieder statt. In diesem Jahr übernimmt ein Triebwagen MAK-GDT die Personenbeförderung. Dieses Fahrzeug war in Rheinsberg bisher noch nie zu sehen. Regelmäßig verkehrten dagegen früher die roten Triebwagen der Baureihe 772, besser bekannt als "Ferkeltaxe". Heute trifft man sie kaum noch an, schon gar nicht in ihrer Originalfarbe. Deshalb dürfte es für Fotografen interessant sein, am Samstag um 13.10 Uhr einen solchen Triebwagen zum Werkbahnhof "Stechlinsee" zu begleiten. Für die Freunde der Miniatureisenbahn gibt es eine dampfgetriebene Minibahn zum Mitfahren. Wer es noch kleiner mag, besichtigt am besten die Modellbauausstellung, auf der neben verschiedenen Eisenbahnlandschaften auch Schiffsmodelle zu sehen sind. In einer anderen Ausstellung kann man sich über die Geschichte der Rheinsberger Bahnstrecke informieren. Umfangreiches Material zur Historie können die Besucher auf einer neuen CD-ROM mit nach Hause nehmen. Attraktive Gewinne winken bei der Tombola, die zugunsten des Erhalts des historischen Lokschuppens veranstaltet wird.

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 1.9.03
Großer Andrang beim Bahnhofsfest
105-jähriges Bestehen der Strecke nach Löwenberg gefeiert
RHEINSBERG. Das Bahnhofsfest gab an diesem Wochenende den vielen Freunden der Eisenbahn Gelegenheit, das 105-jährige Bestehen der Nebenstrecke von Löwenberg nach Rheinsberg zu feiern.
Wie bereits in den Jahren zuvor war gestern die Berliner Dampflok mit der Nummer 52 8177 in Rheinsberg zu bewundern. Für die rund 2000 Besucher, egal ob groß oder klein, gab es viel zu bestaunen. Während die Kleinen mit fröhlichen Gesichtern einige Runden auf einer Miniatureisenbahn drehten, nutzten die Erwachsenen die Möglichkeit, sich die Motor- und Hebeldraisine, alte Bahnfahrzeuge sowie die Ausstellung mit alter Eisenbahntechnik anzusehen.
Herbert Schulz, der extra aus diesem Anlass einen Tagesausflug nach Rheinsberg unternommen hatte, war begeistert von dem ansprechenden Programm. Dem kleinen Erik Prast und seinem Freund Antonio Zeiler reichte die Rundfahrt mit der Miniatureisenbahn nicht aus, sie wollten gleich weiter, um mit der großen Eisenbahn zum "Bahnhof Stechlinsee" zu fahren.
Während einige der Gäste es sich bei Kaffee und Kuchen gut gehen ließen, trafen mit der Neustrelitzer Hafenbahn weitere Besucher ein. Und wer es etwas kleiner mochte, konnte die Modelleisenbahn-Ausstellung in einer Halle der ehemaligen Berlin-Chemie bewundern. Dort waren auch erstmalig Modellschiffe ausgestellt. Mit StoIz präsentierte der Verein auch seine neueste Errungenschaft, ein zwei Tonnen schweres altes, originales Ausfahrtsignal.
Viel Zuspruch fanden die angebotenen Fahrten zum Werksbahnhof des stillgelegten Kernkraftwerkes. In diesem Jahr wurde die Fahrt mit dem vierachsigen Großraumdieseltriebwagen der privaten Prignitzer Eisenbahngesellschaft durchgeführt.
Dankend erwähnte der Vereinsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof Udo Blankenburger die Zusammenarbeit mit dem Schützenverein, der ehrenamtlich und erfolgreich seit nunmehr fünf Jahren eine Nachtwache durchführt, um Zerstörungen oder Sachbeschädigungen an den Ausstellungsobjekten zu verhindern.
Charlotte Redzewsky

Ruppiner Anzeiger, 1.9.03
Großer Bahnhof in Rheinsberg
Am Wochenende gab es neue Attraktionen, Zugfahrten und Draisinenausflüge zu erleben
RHEINSBERG. Mit einem Bahnhofsfest hat die Arbeitgemeinschaft (AG) Rheinsberger Bahnhof am Wochenende zahlreiche Gäste in die Stadt gelockt. Die meisten von ihnen kamen am Samstagmorgen mit einem Dampfzug aus Berlin angereist.
"Wir hatten Glück, dass es in den vergangenen Tagen geregnet hat", sagte AG-Vorsitzender Udo Blankenburger, "sonst hätte die Dampflok wegen der hohen Waldbrandgefahr wohl gar nicht herfahren können."
Der Dampfzug war allerdings nicht die einzige Attraktion, die die Rheinsberger Bahnhofsleute für ihr Publikum bereithielten. Eisenbahnfreunde aus Stendal und Tangermünde in Sachsen/Anhalt boten Fahrten mit einer hebelbetriebenen und einer motorisierten Draisine an. Und die Prignitzer Eisenbahngesellschaft pendelte mit einem knapp 50 Jahre alten Triebwagen zwischen der Stadt und dem Stechlinsee.
Auch in der Ausstellung im Bahnhofsgebäude der Stadt gab es wieder einige Neuheiten zu entdecken, So ist im einstigen Unterrichtsraum der Bahner ein alter Fahrkartenschalter eingerichtet wurden. Zu besichtigen sind dort unter anderem Walzen für den Fahrkartendruck, historische Fahrkarten und Suchmeldungen für vor etlichen Jahren verloren gegangende Koffer und anderes.
Am Wochenende hielt dort Renate Weißpfennig die Stellung. Die Rentnerin hat mehr als 35 Jahre auf dem Rheinsberger Bahnhof gearbeitet und kann sich noch gut an die einstige Bestimmung des Raumes erinnern. "Hier wurden früher die Lokführer und Bahnarbeiter weitergebildet. Das war ihr Unterrichtsraum", erzählte die einstige Fahrkartenverkäuferin. Nachts hätten dort oft sogar Bahnbeschäftigte übernachtet, weil nach Feierabend kein Zug mehr fuhr.
Im großen Ausstellungsraum präsentierte Udo Blankenburger eine Lichtsignal-Anlage, die der Verein erst seit kurzem in seinem Besitz hat. Wesentlich stolzer ist er aber über das Ausfahrtssignal, das seit einiger Zeit draußen an den Gleisen steht. "So etwas gab es hier früher ja nicht. Da wurde per Streckentelefon durchgegeben, ob die Gleise frei sind oder nicht."
Auch Modellbahn-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. In einer Halle unweit des Bahnhofes wurde zur großen Tausch-Börse geladen, in der es auch Modell-Boote zu sehen gab. Kinder konnten auf einer Minieisenbahn ihre Runden drehen. Dass sich die Arbeitsgemeinschaft zum Fest auch den Dampfzug aus Berlin leisten konnte, hatte sie vor allem dem Rheinsberger Jürgen Graf zu verdanken, der nach Aussage von Blankenburger eine großzügige Summe für das Fest zur Verfügung stellte. Am Sonnabend übergab auch der CDU-Bürgermeisterkandidat Erich Kuhne einen Scheck über 800 Euro. Damit soll geholfen werden, weitere Fahrten mit historischen Zügen zu finanzieren. Das Geld hatte Kuhne bei Parteifreunden und in örtlichen Unternehmen gesammelt. Tilman Trebs

Oranienburger Generalanzeiger, November 2003
Bahnhof im Kleinformat
Hohen Neuendorfer baut Bahnstrecke Rheinsberg-Herzberg nach
HOHEN NEUENDORF. Burkhard Andrasch hat einen großen Traum. Er möchte den Bahnhof von Kremmen im Modell originalgetreu nachbauen. Dafür fehlt ihm zurzeit allerdings der Platz. Denn in seinen Schuppen steht bereits ein anderer aufwendiger Nachbau.
Der 48-jährige Glienicker Revierpolizist hat in fünfjähriger Kleinarbeit die Bahnstrecke Rheinsberg-Lindow-Herzberg im Detail nachgebaut. Als Kind wurde schon sein Interesse für diese Strecke geweckt. Er fuhr damals häufiger mit der Bahn zur Oma nach Zechlinerhütte. Seine Modell-Anlage ist immer noch nicht vollendet. Das filigrane Kunstwerk, das die Herzen von Modellbahnfreunden höher schlagen lässt, besteht aus fast 30 Segmenten. Sie ist 13 Meter lang und zehn Meter breit. Andrasch hat circa 65 Meter Gleise (Spurweite HO) auf den Sperrholzplatten verlegt und mehr als 30 Weichen und vier funktionsfähige Gleissperren eingebaut. Die Anlage muss von drei Personen, die telefonisch die Züge an- und abmelden, bedient werden. "Wenn man da nicht aufpasst, gibt es einen Unfall", so Andrasch, der bereits mehr als 14 000 Euro in sein Hobby investiert hat.
Er hofft, dass er das Gesamtwerk im nächsten Spätsommer auf dem Bahnhofsfest in Rheinsberg präsentieren kann. Dafür muss er nicht nur die letzten Segmente fertigstellen. Er muss auch eine Menge reparieren. Beim letzten Aufbau, an dem er nicht teilnehmen konnte, wurden einige Kabelstränge zerstört. Nun muss er mit seiner Lebensgefährtin Andrea Sommerfeld in mühevoller Kleinarbeit die Schäden beseitigen.
Mehr Spaß hat Andrasch beim originalgetreuen Nachbau von Bahnhöfen und Gebäuden entlang der Strecke. Dabei legt er großen Wert auf Detailgenauigkeit. Unter Modellbauern gilt das als ungeschriebenes Gesetz. Beim maßstabsgerechten Nachbau macht Andrasch nur eine Ausnahme. "Die Atmosphäre und die Ästhetik der Anlage müssen stimmen." So hat er am Bahnhof Rheinsberg ein Zugangshäuschen aufgestellt, das in der so genannten Epoche 3 - das sind die 60er und 70er Jahre für die Modellbauer gar nicht mehr existierte. Aber das unscheinbare Haus mache das Gesamtbild stimmiger, so der Eisenbahnfreund, der Mitglied im Verein "Rheinsberger Bahnhof" ist. Dieser Verein sucht zum nächsten Bahnhofsfest weitere Modellbauer aus der Region, die ihr Werk auf dem Bahnhofsfest ausstellen möchten. Weitere Informationen gibt es unter der Nummer (0 33 03) 50 08 74.
Jürgen Liebezeit

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 8.12.03
Flair statt Verspätungen
370 Dampflok-Fans auf Sonntagsausflug in Rheinsberg
RHEINSBERG. Stilles Anschleichen ist ihre Sache nicht: 52-8177 hat noch nicht das Rheinsberger Ortsschild passiert, da recken die Wartenden am Bahnsteig bereits die Hälse. Ein Pfiff, am Horizont türmt sich weißer Rauch: Die Dampflok kommt.
Schnaufend zieht 52-8177 acht Personenwaggons in den Bahnhof. Ein Zischen an den Türen, 370 Passagiere strömen auf den Bahnsteig. Sie haben ihr Ziel erreicht und bewundern jetzt die bedeutendste Sehenswürdigkeit des Sonntagsausfluges: ihr eigenes Transportmittel.
So einmalig die Fahrt im Dampfkoloss für die Passagiere ist - in Rheinsberg ist ihre Ankunft fast schon in den jährlichen Bahnfahrplan eingetaktet. Mitglieder des Vereins "Berliner Dampflokfreunde" steuern die 52er-Lok alle Jahre wieder in die Prinzenstadt; sehr zur Freude von Udo Blankenburger, dem Vorsitzenden der "Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof": "Bei solchen Reisen geht es einfach ums Flair. Die Bahn selbst bietet das - Rheinsberg auch."
Die örtlichen Dampffreunde stellen das Ziel, die Berliner die Lok, die Nürnberger Traditionszugfreunde die historischen Waggons: Eine bundesweite Aktionsgruppe, die da für Dampf auf Ruppiner Gleisen sorgt. Unkompliziert sei die Organisation nicht, gibt Blankenburger gern zu: "Man braucht Freunde, um dieses Hobby zu bezahlen." Knappe 300 000 Euro kostet die alle acht Jahre fällige Untersuchung für 52-8177 und die Deutsche ahn ist nicht so selbstlos veranlagt, dass sie Strecken kostenlos vermietet.
Die Fans murren kaum über die teureren Tickets - vor allem dann, wenn sie wie Sven Lehmann kostenlos zu dem Vergnügen kommen. Gemeinsam mit Sohn Bruno wollte der Meißener im Sommer mit der Dampflok an die Ostsee: "Aber dank der Waldbrandgefahr wurde aus der Dampf- eine Diesellok. Den Stift hat es nicht gestört; ich wollte mein Geld zurück." Es wurde ein Gutschein für eine Fahrt nach Rheinsberg daraus. Sven Lehmann kauft Flair, keine Reise: "Was die Faszination ist? Technik, Kindheitserinnerungen; irgendwie alles. Wer das nicht kennt, versteht es nicht."
Tobias Felsch

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 10.12.03
"Nicht noch mehr Menschen anlocken"
Der Naturschutzbund droht bei Dampflokfahrten zum Stechlinsee mit einer Klage
Einmal im Jahr organisiert der Berliner Traditonszug-Verein eine Dampflokfahrt bis zum Kernkraftwerk Rheinsberg. Am Wochenende kamen Eisenbahnfans aus ganz Brandenburg. Für den Naturschutzbund ist die Fahrt ein Verstoß gegen das Naturschutzrecht. Mit dem Nabu-Landesvorsitzenden Tom Kirschey sprach darüber Reyk Grunow.

Warum die ganze Aufregung?
Kirschey: Die Bahnanlagen zum Kernkraftwerk führen mitten durch das größte Naturschutzgebiet Brandenburgs. Dort leben sehr sensible Arten, wie etwa Fischadler. Die Nutzung der Gleise ist nur für den Abbau des KKW erlaubt.
Wenn einmal im Jahr dort eine Dampflok entlangfährt, schadet das doch keinem.
Kirschey: Das stimmt, schon gar nicht zu dieser Zeit, wo die Fischadler im Süden sind. Im Mai wäre das ein Problem.
Dann geht es Ihnen gar nicht um die Dampflokfahrt?
Kirschey: Wir befürchten, dass alles, was sich in diesem Gebiet tut, Vorbote für die Nachnutzung des KKW-Geländes sein könnte. Wenn man statt der Gleise dort einen Radweg bauen würde, wären wir auch dagegen.
Wollen Sie ein Totalreservat am Stechlinsee?
Kirschey: Nein. Aber unserer Meinung nach sollte sich rund um das KKW nichts entwickeln, was mehr Menschen anzieht, damit wir Tieren wie dem Fischadler wenigstens diese wenigen Rückzugsmöglichkeiten sichern können.
Den Bahnfreunden haben Sie mit einer Klage gedroht. Wäre es nicht besser, erst einmal miteinanderzu reden?
Kirschey: Mit der Bahn AG haben wir das mehrfach versucht, ohne Erfolg. Jetzt wollen wir dem Traditionszug-Verein für 2004 alternative Routen rund um Rheinsberg vorschlagen. Es gibt viele schöne Strecken, die nicht ins Naturschutzgebiet führen.


MAZ (Ruppiner Tageblatt), 24.12.03
"Überzogene Forderung"
Mitglieder der AG Rheinsberger Bahnhof verstehen die Welt nicht mehr
RHEINSBERG. Udo Blankenburger versteht die Welt nicht mehr. Als vor wenigen Wochen der Verein der Berliner Dampflokfreunde und der Traditionszug e.V. eine Dampflokfahrt nach Rheinsberg organisiert hatten, meldete sich danach der Naturschutzbund zu Wort. Der Nabu protestierte gegen die Fahrt zum Bahnhof des stillgelegten Kernkraftwerkes (die MAZ berichtete).
"Wir sind froh, dass die Berliner einige Male im Jahr unsere Stadt ansteuern, weil gerade in der touristenarmen Jahreszeit jeder Gast zählt", er- klärt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof. Blankenburger und seine 39 Mitstreiter sind es, die die Tradition der Eisenbahn in der Prinzenstadt wach halten und inzwischen auf dem Bahnhofsgelände ein Museum eingerichtet haben, das gerade an solchen Tagen gut besucht wird.
Aus Sicht der Eisenbahner ist die Forderung der Naturschützer, die Fahrten gänzlich einzustellen, total überzogen. Dabei gehe es nicht darum, einen Massentourismus im Naturschutzgebiet zu etablieren. "Weder im September, wenn wir unser Bahnhofsfest veranstalten, noch im Dezember brütet der geschützte Fischadler, der ein Grund für die Proteste wäre", erläutert Blankenburger. "Als das Kernkraftwerk noch in Betrieb war und mehrmals täglich Züge verkehrten, hat das die Adler selbst dann nicht gestört."
Außerdem bezweifelt Blankenburger, dass der Nabu wie angekündigt alternative Strecken rund um Rheinsberg anbieten kann. "Gerade in jüngster Zeit sind Bahngleise wie zum Beispiel die Strecke von Gransee nach Wolfsruh oder die von Wittstock nach Neustrelitz vom noch bestehenden Bahnbetrieb abgekoppelt worden", berichtet der Vereinsvorsitzende.
Blankenburger sieht in den Fahrten außerhalb der Adlerbrutzeiten "den schonendsten Umgang mit der Natur". "Die Herren vom Nabu sollten daran denken, dass wir alle in Rheinsberg vom Tourismus leben und die Dampflokfahrten nur ein kleiner Mosaikstein im Kulturgefüge sind."
Jürgen Rammelt