Presseartikel 2000
MAZ (Ruppiner Tageblatt), 5.8.00
Verein stellt Kohlekran auf
RHEINSBERG. Der WiR-Verein möchte die Arbeitsgemeinschaft "Rheinsberger Bahnhof" e. V. beim Wiederaufbau einer alten Kohlekrananlage unterstützen. Zum Bahnhofsfest Anfang September soll die Anlage, die früher zum Beladen der Loks diente, wieder zu besichtigen sein. Obwohl der Kran nach den Worten von Christian Carstens originalgetreu restauriert wird, soll er nicht mehr in Betrieb gehen. "Die Anlage brauchte dann eine neue TÜV-Zulassung, die wiederum Kosten verursacht." In einem Schreiben an die Stadt bittet Carstens, dass der hintere Teil des Damaschkeweges geschoben wird.

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 9.8.00
Treffen zur Vorbereitung
RHEINSBERG. Die Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e. V. lädt ihre Mitglieder zum 22. August zur Versammlung. Hauptgrund ist laut Vorsitzendem Volkmar Hilbert die Vorbereitung des Bahnhofsfestes am 2. und 3. September. Es wird das zweite Fest dieser Art in Rheinsberg. "Um den Erfolg des Vorjahres zu wiederholen, bitten wir unsere Mitglieder um tatkräftige Unterstützung." Deshalb soll auch schon im Vorfeld seine Bereitschaft zur Hilfe vor und während des Festes signalisieren, wer nicht zur Versammlung kommen kann. Als besondere Attraktion gibt es laut Hilbert am Sonnabend, 2. September, einen Dampfloksonderzug von Berlin-Spandau nach Rheinsberg. Der fahre über Neustadt und Neuruppin nach Rheinsberg. Am Sonntag soll dann der "planmäßige" Dampfzug in Rheinsberg eintreffen. "Wir können den Gästen also zwei Dampfloks präsentieren", freut sich HiIbert.
MAZ (Ruppiner Tageblatt), 10.8.00
Auf der Suche nach dem Schaltplan
Eisenbahner restaurieren Kohlekran
RHEINSBERG. "Der war früher technologischer Fortschritt." Volkmar Hilbert gerät immer ins Schwärmen, wenn er von dem alten Kohlekran spricht, den der Eisenbahnverein am Lokomotivschuppen auf dem Bahnhof aufstellen will. "Damit kehrt ein Stück Geschichte nach Rheinsberg zurück", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof. Der Kran allerdings ist kein Rheinsberger Original, sondern stammt aus Neuruppin. "Dort hatte er keine Verwendung mehr. Da haben wir zugeschlagen und den Kran nach Rheinsberg geholt", sagt Hilbert. Das ist aber mittlerweile auch schon einige Jahre her. Seither liegt der Kohlegreifer unbeachtet im Gras. Erst vor kurzem ist er wieder ins Gespräch gekommen. Der Entschluss der Eisenbahnhistoriker stand fest: Der Kran muss wieder stehen – schon um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Schließlich beklagt Hilbert, dass viele Bahnhöfe veröden und nur noch aus einem Gleis und einer Haltestelle bestehen. Von alter Technik sei da nicht mehr viel zu sehen.
Das historische Gesicht des Rheinsberger Bahnhofes soll, wenn es nach dem Willen der Eisenbahnfreunde geht, erhalten und wieder hergestellt werden. Spätestens zum Bahnhofsfest soll der Kran dann stehen. Ein Kohlekran wurde früher verwendet, um die Tender der Dampflokomotiven mit Brennstoff zu versorgen. Allerdings ist er nicht mit einem klassischen Bagger vergleichbar, auch wenn seine äußere Erscheinung das vermuten lässt. "Man konnte lediglich einen Höhenunterschied überwinden", weiß Hilbert. Die Schaufel musste aber trotzdem von Hand beladen werden.
Derzeit wird noch fleißig an dem Relikt aus alten Bahnzeiten gearbeitet. Mitarbeiter der Rheinsberger Arbeitsförderungsgesellschaft Rabs befreien das stählerne Ungetüm von Rost und Witterungsschäden und verpassen ihm einen neuen Anstrich. Um die Elektrik des Krans, der sich beliebig oft um die eigene Achse drehen kann, in Schwung zu bringen, müssen erst noch alte Schaltpläne ausfindig gemacht werden. Und das ist laut Hilbert nicht so einfach. Schließlich stammt der Stahlkoloss aus der Zeit der Jahrhundertwende und hat mit dem Aussterben der Dampflokomotiven seine Daseinsberechtigung eigentlich verloren. Doch Hilbert hat schon eine heiße Spur auf der Suche nach den begehrten Plänen. Er ist guter Dinge, dass auch die Elektronik des Krans schon bald wieder funktioniert. Bis dahin ist allerdings auch Handbetrieb möglich. Einen Sponsor konnten die Eisenbahnfreunde auch schon für ihr Vorhaben gewinnen. Der Berliner Jürgen Graf unterstützt die Restaurierung mit 1000 Mark.
GREGOR HAAKE

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 1.9.00
1000 Mark für Bahnhofsfest
RHEINSBERG. 1000 Mark aus seinen Eigenmitteln spendet der WiR-Verein Rheinsberg für das Bahnhofsfest. "Die Zusammenarbeit mit dem Verein Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof ist sehr angenehm", stellt Christian Carstens vom Wirtschafts-Förderungsverein Rheinsberg/Berlin fest.

Wochenspiegel, 30.8.00
2. Bahnhofsfest in Rheinsberg
Rheinsberg (WS). In Rheinsberg wird am kommenden Wochenende das 2. Bahnhofsfest gefeiert. Sonderfahrten, Infostände und vieles mehr bieten am Sonnabend zwischen 11 und 17 Uhr und am Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr die Möglichkeit, die Bahn näher kennen zu lernen. Die deutsche Bahn AG, der Fahrgastverband Pro Bahn Berlin/Brandenburg, die Prignitzer Eisenbahn Gesellschaft, die Berliner Parkeisenbahn, die VENN-Bahn Raeren, die Vereine Lichtenberger Eisenbahnfreunde Berlin und Freizeitbahnhof Dannenwalde stellen sich vor. Draisinenfahrten und Führerstandsfahrten auf den Dampflokomotiven sind möglich. Es gibt eine Fahrzeugausstellung. Im Lokschuppen ist nicht mehr genutzte Technik ausgestellt, im Güterboden kann man die Modellanlage Rheinsberger Bahnhof bestaunen. Natürlich werden an diesen beiden Tagen auch wieder zahlreiche Sonderfahrten angeboten. Am Sonnabend wird gegen13.50 Uhr der Dampflok-Sonderzug aus Berlin-Spandau erwartet. Außerdem können Pendelfahrten mit dem "Schienenbus" der Prignitz-Bahn zum Bahnhof Stechlinsee unternommen werden. Die Abfahrtszeiten: 11.15 Uhr, 12.15 Uhr, 14.15 Uhr und 15.15 Uhr. Am Sonntag wird gegen 9.48 Uhr mit der Ankunft des Dampflok-Sonderzuges aus Berlin-Lichtenberg gerechnet, der um 7.50 Uhr in Lichtenberg und um 8.36 Uhr in Oranienburg abfährt. Auch am Sonntag können Pendelfahrten zum Bahnhof Stechlinsee unternommen werden.
Zwischen 13.30 und 15.30 Uhr gibt das Blasorchester Rheinsberg ein Konzert. Für die Jüngsten stehen ein Karussell, Kinderspiele, Schminken und Basteln auf dem Programm.

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 31.8.00
Dampfzug ist ausgebucht
Feuerwehr und Eisenbahnverein laden am Wochenende nach Rheinsberg
RHEINSBERG. Die Stadt Rheinsberg könnte am kommenden Wochenende zum Mekka für interessierte ehemalige Feuerwehrleute und Eisenbahner werden: Während sich die Feuerwehr, die am Sonnabend ihr 125-jähriges Bestehen feiert, sich am Gerätehaus im Stadtzentrum präsentiert, wird sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag auf dem Bahnhof alte Eisenbahntechnik gezeigt. Neben einem Fackelzug, der am Freitag um 20 Uhr an der "Freundschaft" beginnt, formieren sich die Mitglieder der Feuerwehr am Sonnabend zum großen Festumzug, der um 9 Uhr beginnt. Bereits um 8 Uhr findet vor dem Gerätehaus der Feuerwehr ein Ehrenappell statt. Nach einem musikalischen Frühschoppen mit der Jugendblaskapelle aus Coesfeld und dem Empfang der Grußbotschaften gibt es eine Ausstellung, bei der Fahrzeuge sowie Lösch- und Rettungstechnik zu bestaunen sind. Der Nachmittag ist verschiedenen Vorführungen vorbehalten. Um 13 Uhr gibt es Einsatzübungen mit moderner Technik und um 14 Uhr sind die "Feuerteufel" aus Meyenburg zu erleben. Gegen 15 Uhr präsentiert sich dann die Jugendfeuerwehr und um 15.30 Uhr zeigt die erste "Brandenburger Rettungshundestaffel" ihr Können. Publikumsinteresse dürfte auch die anschließende Vorführung alter mobiler Löschtechnik finden. Für die Eisenbahnfreunde werden am Sonnabend und Sonntag Draisinenfahrten angeboten. Außerdem wird in den ehemaligen Lokschuppen eingeladen, in dem alte Eisenbahntechnik zu bestaunen ist. Es gibt eine Fahrzeugausstellung und Führerstandsfahrten auf den Dampflokomotiven, die an beiden Tagen in Rheinsberg Station machen. Im Güterschuppen neben dem Bahnhofsgebäude ist eine Modelleisenbahn aufgebaut, die die Strecke von Löwenberg nach Rheinsberg darstellt. Gebaut wurde die Anlage von Burkhard Andrasch aus Hohen-Neuendorf, einem Mitglied des Vereins der Rheinsberger Eisenbahnfreunde. Führungen über den Rheinsberger Bahnhof gibt es am Sonnabend um 12.30 und um 14.30 Uhr. Außerdem werden an beiden Tagen Pendelfahrten mit dem "Schienenbus" der "Prignitz-Bahn" angeboten. Der Dampfzug, der am Sonnabend aus Berlin-Spandau kommt, ist bereits ausverkauft. Am Sonntag kommt außerdem ein Dampfzug aus Berlin- Lichtenberg (Abfahrt 7.50 Uhr), in dem noch Platz ist . Es gibt Info- und Souvenirstände, eine Springburg, Kinderspiele sowie am Sonntag Auftritte des Blasorchesters und der Senioren-Tanzgruppe aus Rheinsberg.
JÜRGEN RAMMELT

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 4.9.00
Traumland für Technikfreunde
Tausende Besucher beim 125-jährigen Jubiläum der Feuerwehr und dem Bahnhofsfest in Rheinsberg
RHEINSBERG. Wer sich für moderne Feuerwehrtechnik oder historische Eisenbahnen interessiert, konnte am Wochenende in Rheinsberg gleich beides bestaunen. Tausende Besucher nahmen diese Gelegenheit wahr und bevölkerten die Innenstadt und den Bahnhof.
Die Besucher auf Gleis 1 schauten am Sonnabendnachmittag ungeduldig und erwartungsvoll in die Ferne. Ein Leierkastenspieler unterhielt sie dabei. Und als gerade das Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" verklungen war, stieg der weiße Rauch des heiß erwarteten Dampfzuges am Horizont auf. Ein lautes Tuten kurz vor dem Bahnhof und schon hielt der Sonderzug aus Berlin-Spandau am Bahnsteig. Aus den Düsen der 56 Jahre alten Dampflok zischte noch Wasserdampf, während die Passagiere schon ausstiegen. "Tschüss bis zum nächsten Mal", verabschiedete ein kleiner Junge den schwarzen Stahlkoloss und verließ mit seinen Eltern den Bahnhof. So schön die rekonstruierte Dampflok mit dem vielsagenden Namen 52 8029-2 auch anzuschauen war, die angehängten Passagierwagen waren es nicht. Teilweise mit Grafitti besprüht, zerstörten die Wagen aus alten DDR-Beständen das anmutige Bild. "Ich bin extra aus Kleinzerlang hergekommen, um diesen Dampfzug zu sehen und dann sowas", beschwerte sich Dagmar Ettlingen. Den Besuchern des Rheinsberger Bahnhofsfestes wurden neben dem Eintreffen des Sonderzuges aber noch weitere Höhepunkte geboten. In den alten Lokhallen konnten die Gäste historische Eisenbahntechnik bestaunen. Im Güterschuppen neben dem Bahnhofsgebäude war die Modellanlage "Rheinsberger Bahnhof" aufgebaut, die unter anderem auch die Strecke von Löwenberg nach Rheinsberg darstellte. Auf einer 80 Jahre alten Draisine mühten sich Familien ab und preschten die Schienen entlang. Eine Oldtimerschau, eine weitere in der Rekonstruktion befindliche Kleinrangierlok, ein paar Schaubuden und ein Karussell lockten weitere Gäste an. Mit dem "Schienenbus" der "Prignitz-Bahn" wurden Pendelfahrten zum Stechlinsee-Bahnhof angeboten. Am Sonntag erreichte dann ein weiterer Sonderzug aus Berlin-Lichtenberg den Bahnhof.
PETER SCHWIERZ

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 5.9.00
Ja-Wort auf der Dampflok
Standesamtliche Trauung folgte gestern im Rathaus
RHEINSBERG • Ein nicht alltägliches Ereignis sorgte am Sonntag in Rheinsberg für Aufsehen: Am Rande des Bahnhofsfestes gab es eine Trauung auf einer richtigen Dampflok.
Volkmar Hilbert, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof e.V. und seine Braut Andrea gaben sich auf der Lok 528177-9 das Ja-Wort.
Allerdings hatte das Zeremoniell, dem zahlreiche Rheinsberger und Gäste des Bahnhofsfestes beiwohnten, nur symbolischen Charakter. Die richtige standesamtliche Trauung erfolgte gestern Vormittag im Rheinsberger Rathaus, wo Standesbeamtin Andrea Baudis die beiden nach dem offiziellen Akt zu Mann und Frau erklärte.
Mit der Eheschließung auf einem Dampfross hatte Volkmar Hilbert, der von Beruf Lokführer ist, sich etwas Besonderes ausgedacht. Pünktlich um elf Uhr hatte der Bräutigam gemeinsam mit der Hochzeitsgesellschaft am Bahnsteig auf seine "Künftige" gewartet, die kurz darauf, filmreif, vom Vater geführt, dem Rheinsberger übergeben wurde.
Und als Hans-Norbert Gast auf der Orgel den Hochzeitsmarsch spielte, hatten nicht wenige der Anwesenden feuchte Augen. Selbst der Braut kullerten einige Tränen die Wangen herunter, die der besorgte Bräutigam zärtlich abtupfte Darauf bedacht, sich an der schwarzen Lok nicht schmutzig zu machen, bestiegen kurz danach beide Brautleute den Führerstand, auf dem bereits das Lokpersonal wartete.
Matthias Holm und Gerd Renner vom "Verein der Dampflokfreunde Berlin" hatten zur Ehre des Tages blütenweiße Hemden angelegt. Fast wie Profis hatten sie sich eine Rede ausgedacht, die dem Ereignis angemessen war. "Natürlich wissen wir, dass die Trauung auf der Lok nur symbolischen Charakter hat" meinte Gerd Renner. Dennoch wäre es eine große Ehre, dass man Volkmar Hilbert, einen guten Freund und Eisenbahner mit Herz und Seele, das Ja-Wort abnehmen durfte. Als Geschenk überreichte die Lokbesatzung ein Manometer. "Was der extra gekennzeichnete grüne Bereich zu bedeuten hat, das weiß der Bräutigam schon", scherzte Matthias Holm.
Zu den ersten Gratulanten gehörten neben den Brauteltern und Verwandten zahlreiche Freunde des Paares. Glückwünsche gab es außerdem von den Rheinsberger Eisenbahnern, dem Heimatverein und selbst Vertreter der Schützengilde waren in ihren grünen Uniformen zur Stelle.
Für die Rheinsberger Standesbeamtin Andrea Baudis bildet die vorgezogene Zeremonie am Sonntag kein Problem.
Während bei einer kirchlichen Heirat die standesamtlichen Formalitäten vorher erledigt sein müssen, wäre dies im Fall dieser Eheschließung egal gewesen. "Ich habe nicht einmal gewusst, was am Sonntag auf dem Bahnhof passiert ist", meinte die Standesbeamtin. Auf der Lok selbst hätte Andrea Baudis nicht aktiv werden dürfen, da in Brandenburg genau festgelegt ist, wo man sich das Ja-Wort geben darf. In Rheinsberg ist es das Trauzimmer im Rathaus und auf dem MS "Rheinsberg" der Reederei Halbeck - wenn das Schiff fest am Steg angebunden ist. Mit Andrea und Volkmar Hilbert wurde gestern das 55. Paar in diesem Jahr in Rheinsberg getraut.
Jürgen Rammelt

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 22.9.00
Einladung ins belgische Raeren
Eisenbahner reisen im November
RHEINSBERG. Die Zusammenarbeit zwischen der belgischen Gemeinde Raeren und der Stadt Rheinsberg wird immer enger. Nachdem bereits mehrfach Vertreter der Vennbahn und vom TEC, der regionalen Busgesellschaft, in der Rhinstadt weilten, werden vom 9. bis 13. November einige Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof" e. V. nach Belgien reisen. Heinz Karwath vom Verkehrsverein "Rheinsberger Seenkette", der sich in der Vergangenheit um die Kontakte zu den Belgiern bemüht hat, freut sich besonders über die Einladung. Er ist überzeugt, dass der Besuch in Raeren der Zusammenarbeit neue Impulse geben wird. Obwohl der Tourismusfachmann Verständnis dafür hat, dass die Rheinsberger mit Ascheberg, Toftlund, Fangasso, Huber Hights und Mariefred ausreichend mit Partnerstädten versorgt sind, würde Raeren gut in die Palette passen. Allerdings hat man sich dafür entschlossen, dass es keine offizielle Partnerschaft zwischen Rheinsberg und Raeren gibt. Laut Karwath gibt es zwischen beiden Kommunen mehrere Parallelen: So gibt es in Raeren anstelle eines Schlosses eine Burg, es wird genauso wie in Rheinsberg ein zünftiger Karneval gefeiert und es gibt die Vennbahn, benannt nach dem Hohen Venn, einem Landschaftsschutzgebiet in Belgien, das viele Touristen anlockt. Der Verein der Vennbahn organisiert genauso wie die Rheinsberger Dampflokfahrten und Bahnhofsfeste. Außerdem ist Raeren ein Zentrum der Keramik- und Steinzeugherstellung. Alljährlich findet in dem Ort ein großer Töpfermarkt statt, der tausende Besucher anlockt und wo laut Karwath vor allem kunstvolle und hochwertige Keramik angeboten wird. In der Burg Raeren gibt es ein Töpfereimuseum, das gegenwärtig umgestaltet wird. Durch das finanzielle Engagement und die Kontakte des Rheinsberger Verkehrsvereins konnte die Stadt und die Rheinsberger Region schon mehrfach in dem Tourismusheft "Raeren live" Aufnahme finden, das im Dreiländereck vertrieben wird. In der Ausgabe 6/2000 ist Rheinsberg mit einer ganzen Seite vertreten, auf der in Wort und Bild die Leser in die Mark Brandenburg eingeladen werden. Neben einem geschichtlichen Überblick und Hinweisen auf Friedrich II., Kurt Tucholsky und Theodor Fontane wird auf die Rheinsberger Keramikindustrie, auf die Kammeroper, die Musikakademie, den Töpfer- und Zühlener Viehmarkt verwiesen. Erwähnung finden ebenfalls die kleinen Museen, Galerien und Ausstellungen in der Umgebung, die Fahrgastschifffahrt sowie die zahlreichen Feste, die in den Dörfern rund um Rheinsberg stattfinden.

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 22.11.00
Zu Besuch im "Hohen Venn"
Ehemalige und noch aktive Eisenbahner bei belgischen Vereinsfreunden
RHEINSBERG. Nachdem bereits mehrere Male Mitglieder des Vennbahnvereins aus dem belgischen Raeren in Rheinsberg weilten, hatten sich in der ersten Novemberhälfte 17 Rheinsberger zu einem Gegenbesuch auf die Reise begeben. Die 13 Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof" und vier Mitarbeiterinnen des Heimatvereins "Rheinsberger Seenkette" wurden bei ihrer Ankunft von Norbert Gilles, dem Vorsitzenden des Vennbahnvereins, herzlich willkommen geheißen. Für die fünf Tage wartete auf die Rheinsberger ein umfangreiches Programm. Es begann mit einer ausführlichen Stadtführung und dem Besuch des Heimatmuseums von Eupen, wo die Rhinstädter Quartier bezogen hatten. Wir erfuhren, dass die Stadt Eupen Teil der "Deutschsprachigen Gemeinschaft" und dessen Hauptstadt und Regierungssitz ist. Die Bauten künden von der einst wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt, die ihren Reichtum und ihre Weltgeltung den damals blühenden Tuchmanufakturen verdankte. Am 11.11. ging es dann mit einem Sonderzug vom belgischen Raeren nach Givet in Frankreich zum dortigen Zwiebelmarkt. Natürlich interessierten sich die ehemaligen Eisenbahner für die historische Luxemburger Diesellok, die anstelle der defekten Dampflok 50 3666 der ehemaligen Deutschen Reichsbahn zum Einsatz kam. Der Zug bestand aus Reisezugwagen der ersten Klasse der Belgischen Staatsbahn und einem Mitropawagen der DDR, für Freunde der Eisenbahn echte Raritäten. Dabei war die Fahrt durch den Hohen Venn, ein Landschaftsschutzgebiet von einzigartiger Schönheit, ein großes Erlebnis. Nicht wie zu Hause am 11.11., sondern einen Tag später wurde in Eupen die Karnevalssaison eröffnet. Der Umzug führt zum Clown-Denkmal, dem Wahrzeichen des Eupener Karnevals. "Bewundernswert fanden wir Rheinsberger besonders die Farbenpracht der Kostüme, die Abordnungen der einzelnen Vereine präsentierten", berichtet Carola Zabel vom Heimatverein. Am vorletzten Tag wurden die Rheinsberger von Claire Dousin und weiteren Mitgliedern des Vennbahnvereins zu einer Fahrt nach Lüttich abgeholt. Die charmante Belgierin sitzt als einzige Frau am Steuer eines Busses der Gesellschaft TEC. Zur zweistündigen Stadtrundfahrt in Lüttich wurde ebenfalls in einen historischen Bus umgestiegen. Im Gegensatz zu Eupen, wo meist deutsch und als zweite Sprache französisch gesprochen wird, verständigen sich die Lütticher meist auf Französisch. In der Stadt an der Maas waren die Rheinsberger von einer Vielzahl herrlicher Brücken begeistert, die die einzelnen Stadtteile miteinander verbinden. Beeindruckt waren die Eisenbahner vom Verkehrsmuseum, in dem historische Busse und alte Straßenbahnen zu besichtigen waren.
VOLKMAR HILBERT

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 4.12.00
Dampf machen beim Bahnchef
Rheinsberg verhandelt mit Hartmut Mehdorn persönlich über Dampfzug
RHEINSBERG. Selten wurde ein "armer Mann" so fürstlich empfangen wie gestern in Rheinsberg: Am Bahnhof standen Bürgermeister Manfred Richter, der Vorsitzende des "WiR"-Vereins Christian Carstens, eine Mercedes S-Klasse-Limousine (eigens aus Berlin herangeschafft) und Beamte des Bundesgrenzschutzes. Sie alle warteten auf Hartmut Mehdorn, den Chef der Deutschen Bahn AG. Mehdorn war kürzlich mit der Hiobsbotschaft vom Milliardendefizit der Bahn an die Öffentlichkeit gegangen. Der Spitzenmanager und seine Frau unternahmen einen Privatausflug nach Rheinsberg. Und weil Mehdorn noch nie Dampfzug gefahren war, stand er mit auf der Lokomotive. Der Ruf des "armen Mannes, der sparen muss," eilte dem Bahnchef voraus. Carstens hatte ihm in seiner Keramikwerkstatt ein großes Sparschwein töpfern lassen und es mit Pfennigen beklebt: "Da ist etwas Geld drauf, denn er hat ja keins", scherzte Carstens. "Jetzt fehlen ihm nur noch fünf Milliarden", bemerkte Bürgermeister Richter trocken. Unterdessen machte sich eine Bahnangestellte Sorgen um den laufenden Wasserkran: "Jeder Tropfen Wasser kostet Geld! Kann man das nicht abstellen?" Wenn das der Chef wüsste ... Bahnchef Mehdorn kündigte sich durch lautes Heulen der Dampfpfeife an, Minuten, bevor die Lok zu sehen war. Zur planmäßigen Ankunft um 9.47 Uhr setzte Norbert Gast seine Drehorgel in Betrieb. Um 9.50 Uhr hielt das schwarze Dampfross mit dem Konzernlenker an Bord vor dem Empfangskomitee. Ein lachender Hartmut Mehdorn stahl dem Weihnachtsmann die Schau. "Das war nicht nur die letzte Fahrt eines Dampfzuges nach Rheinsberg in diesem Jahr, sondern wahrscheinlich die letzte überhaupt", erklärte Holger Hoppe vom Berliner Verein "Traditionszug" sodann dem Herrn aller Schienen. Zum nächsten Fahrplanwechsel sieht Mehdorns Bahn AG nämlich vor, die Eisenbahnstrecke Herzberg – Löwenberg stillzulegen. Der Dampflok wäre dann der Weg verbaut. Auf der eingleisigen Strecke des Prignitz-Expresses über Velten und Neuruppin nach Rheinsberg ist der Fahrplan so eng gestrickt, dass der mit 80 Kilometern pro Stunde zu langsame Dampfzug nicht dazwischenpasst. Auch im Alltag bringt die Stilllegung Rheinsbergs Bahnbenutzern erhebliche Nachteile, wie Bürgermeister Manfred Richter dem Bahnchef erklärte: "Über Löwenberg sind die Reisenden mit dem Zug in einer Stunde in Berlin an der S-Bahn. Mit dem Prignitz-Express sind die Rheinsberger nach einer Stunde erst in Neuruppin." Carstens, der den Dampfzug für den Tourismus unbedingt erhalten will (gestern fuhr sogar noch eine zweite Dampflok von Neuruppin nach Rheinsberg), lud Mehdorn daraufhin zur Stadtrundfahrt mit seinem Oldtimer ein und erhielt die Zusage, mit ihm persönlich über den Dampfzug und den Erhalt der Strecke verhandeln zu dürfen. "Mehr können wir uns nicht wünschen", zeigte sich Carstens zufrieden. Gegenüber der MAZ bezeichnete Mehdorn Presseberichte als "Quatsch", dass er die Bahn mit Streckenstilllegungen sanieren wolle. Die Bahn werde weiterhin den ländlichen Raum versorgen. Sie könne diese Strecken aber nicht betreiben wie die großen, sondern müsse kleine, dezentrale Eisenbahnen gründen, ähnlich organisiert wie die private "Prignitzer Eisenbahn".
CHRISTIAN KRANZ

MAZ (Ruppiner Tageblatt), 14.12.00
Unterschriften für Bahnlinie
Verein kämpft um Erhalt des Schienennetzes von Rheinsberg nach Oranienburg
RHEINSBERG. Mit einer Unterschriftensammlung will die "Arbeitsgemeinschaft Rheinsberger Bahnhof" e.V. sich für den Erhalt der Bahnverbindung von Rheinsberg nach Oranienburg einsetzen. In einem Schreiben an Bürgermeister Manfred Richter hat der Vereinsvorsitzende Volkmar Hilbert auf die Nachteile hingewiesen, die sich seit dem letzten Fahrplanwechsel im Mai 2000 ergeben haben.
Obwohl der Verkehrsverbund und die Deutsche Bahn AG angetreten sind, ihren Kunden bessere Bedingungen anzubieten, ist Hilbert anderer Meinung. Während zum Beispiel die Fahrzeit von Rheinsberg nach Berlin-Lichtenberg eine Stunde und 34 Minuten beträgt, würden die Reisenden zwischen Rheinsberg und Berlin-Charlottenburg über zwei Stunden unterwegs sein. Wenn es dann noch passiert, dass die Anschlusszüge in Herzberg und Löwenberg bereits abgefahren sind, dann müssten die Fahrgäste zwei Stunden warten. Hilbert führte außerdem die häufige Unpünktlichkeit auf der Linie RE-6 an und bemängelte, dass Reisenden, die über Löwenberg in den Norden oder in Richtung Oranienburg in den Osten Berlins möchten, die Anschlusszüge oftmals vor der Nase wegfahren. Außerdem seien die Züge der genannten Linie an den Wochenenden schon ab Rheinsberg total überlastet, so dass Reisende in Neuruppin nicht mehr zusteigen können. Hilbert macht darauf aufmerksam, dass die Bahn die Stilllegung der Strecke zwischen Herzberg und Löwenberg plant. Dies bedeutet das Ende des Zugverkehrs von Rheinsberg nach Oranienburg und der Dampflokfahrten.
Jürgen Rammelt